G. Z., Frankfurt/Main

Der Prozeß gegen den ehemaligen Chefarzt der Ringberg-Klinik in Rottach/Egern, Dr. Josef Issels, wird noch einmal aufgerollt. Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat das Urteil des Münchner Landgerichts gegen den 53jährigen „Krebsarzt“ aufgehoben, soweit es sich auf die fahrlässige Tötung von zwei Patienten bezieht. Im Falle eines dritten Patienten, dessen Tod dem Arzt ebenfalls zur Last gelegt worden war, wurde lediglich der Strafausspruch und damit das Strafmaß aufgehoben.

Das Landgericht München II hatte Issels nach sechswöchiger Verhandlung am 31. Juli vergangenen Jahres wegen fahrlässiger Tötung von drei Patienten zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ihm war vorgeworfen worden, mit seiner „internen Tumor-Therapie“ die Heilung der Patienten verhindert und dadurch ihren Tod verursacht zu haben. Gegen dieses Urteil hatte Issels Revision eingelegt und erklärt, er habe allen drei Patienten dringend zu einer Operation geraten, sie hätten sich aber geweigert und seine Behandlungsmethoden vorgezogen.

Bei der Revisionsverhandlung in Karlsruhe hatte auch der Vertreter der Bundesanwaltschaft das Münchner Urteil angegriffen. Er bemängelte vor allem, daß das Landgericht die „Ursächlichkeit“ von Issels Therapie für den Tod der Patienten nicht hinreichend bewiesen habe. Der Arzt habe seine Patienten tatsächlich über den Nutzen und die Folgen einer operativen Krebsbehandlung aufgeklärt, wie es die Rechtsprechung fordere.

Vor dem Bundesgerichtshof sagte Issels in seinem Schlußwort, er sei überzeugt, daß die Therapie in der Ringberg-Klinik eine „Therapie der Zukunft“ sei. Sie müsse jedoch noch verbessert werden.

Seit dem Münchner Urteil arbeitet Issels nur noch als kaufmännischer Leiter für die in „Sanatorium Bergfried“ umgetaufte Ringberg-Klinik. Obwohl ihm mit dem Münchner Urteil kein Berufsverbot auferlegt wurde, versicherte der Arzt: „Bevor man mich nicht rehabilitiert hat, ziehe ich meinen Arztkittel nicht an.“

Der Münchner Landgerichtsdirektor Dr. Seibert, der damals das Urteil gegen Issels fällte, ist in diesen Tagen wieder ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gerückt: Er leitet den Mordprozeß gegen Vera Brühne.