„Jules und Jim“ (Frankreich; Verleih: Constantin): Mit seinem Film „Schießen Sie auf den Pianisten hat François Truffaut gezeigt, wie man aus einem dürftigen Kriminalroman Filmkunst machen kann. Stilbrüche und Brüskierung psychologischer „Regeln“, genau kalkuliert, erhoben einen trivialen Stoff auf ein höheres Niveau. Eine ähnliche Chance hatte er bei dem Roman „Jules et Jim“ von Henri-Pierre Roche; nur ging er diesmal an die Vorlage mit einer Ehrfurcht heran, die sie nicht verdiente. Lange, mediokre Romanpassagen, wörtlich zitiert, begleiten das Bild als Kommentar und hemmen die filmischen Höhenflüge, zu denen sich Truffaut und sein großartiger Kameramann Raoul Coutard immer wieder aufschwingen. Dabei hätte die Fabel sehr wohl zu einem großen Film führen können. Sie berichtet von der Freundschaft eines deutschen und eines französischen Intellektuellen (Oskar Werner und Henri Serre), die von 1912 an über zwanzig Jahre währt, aber mehr und mehr zur Qual wird durch die Frau (Jeanne Moreau), die sich zwischen beiden nicht entscheiden kann – bis sie in Verzweiflung sich und dem französischen Geliebten den Tod in der Seine bereitet. Wo Truffauts Werk als Film zum Zuge kommt, gewinnt dieses tragische Verhältnis dreier aufgeklärter, moralisch sich selbst bestimmender Menschen eine bezwingende Gestalt. ktl