Silberglänzend stand es da, das Prunkstück der Deutschen Luftfahrtschau 1962: ein Super-Starfighter F-104 G „Made in Germany „Saubere Arbeit“, lautete das Urteil der Fachwelt. Den Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie veranlaßte das zu der Feststellung, daß die deutsche Luftfahrtindustrie in der Fertigung den Anschluß an den internationalen Standard gewonnen habe. Verbandsgeschäftsführer Karl Frydag berichtete sogar: „Die Amerikaner haben uns bestätigt, daß die deutschen Fertigungsstraßen moderner sind als die amerikanischen.“

Das klang ein wenig großsprecherisch, wenn man kurz danach von einem jetzt aus den USA zurückgekehrten deutschen Raumfahrtforscher hörte: „Wir leben hier noch im Zeitalter der Dampfmaschine, während drüben die neue Technik beherrschend wird.“ Die in die Heimat zurückgekehrten Forscher sind enttäuscht, weil sie hier auf so viel Unverständnis stoßen und weil ihnen der Bundestag die wenigen für die Raumfahrtforschung vorgesehenen Haushaltsmittel bisher auch noch vorenthält.

Noch drastischer war der Luftfahrtindustrielle Dornier jr.: „Wir fragen uns allmählich, ob wir erst in den afrikanischen Urwald gehen müssen, um dort auf dem Wege über die reichlich fließenden Entwicklungsgelder Zivilflugzeuge entwickeln und bauen zu können.“ Aber es fragt sich, ob der Einsatz von Steuergeldern sinnvoll ist, solange die Luftfahrtindustrie nicht noch enger zusammenrückt.

Die Luftfahrtschau in Hannover hat gezeigt, daß Erfolge möglich sind. Dornier mit seinen Kurzstartflugzeugen und Bölkow mit seinen zwei- und viersitzigen Sport- und Geschäftsflugzeugen haben Marktlücken gefunden und gut verkauft. Auch für das zwölfsitzige Geschäfts- und Kleinflugzeug HFB-320 der Hamburger Flugzeugbau GmbH, das die Hamburger wagemutig allein entwickeln wollen, mag die Kraft eines Unternehmens noch reichen. Das aussichtsreiche Projekt des Kurzstrecken-Verkehrsflugzeugs der Heinkel He 211 übersteigt jedoch bestimmt die Möglichkeiten einer Firma. Dem Ruf nach dem Staat sollte daher eine gesunde Konzentration vorangehen. Die Situation darf nicht durch große Worte vernebelt werden. H. M.