Die Industrialisierung Südamerikas stand im Mittelpunkt des „Lateinamerika-Wirtschaftstages“ während der Hannover-Messe. Dabei zeigte sich, daß die Südamerikaner stark mit der Unterstützung privaten Kapitals aus Europa und Nordamerika rechnen. Hier einige ihrer wesentlichen Gedanken.

  • Julio Gonzales del Solar, ständiger Vertreter der Interamerikanischen Entwicklungsbank in Europa:

Der größte Teil europäischer Finanzhilfe wird in privaten Direktinvestitionen bestehen. Diese sind sehr nützlich und willkommen, wenn sie sich mit örtlichem Kapital und Management assoziieren, besonders in verarbeitenden Industrien. Die Interamerikanische Entwicklungsbank sucht nach Wegen, in verschiedenen europäischen Ländern den Verkauf ihrer Anleiheanteile mit der Vergabe von Aufträgen für Maschinen und Ausrüstungen zu koppeln, die aus solchen Anleihen gekauft werden.

  • Placido Garciá Reynoso, mexikanischer Unterstaatssekretär für Industrie und Handel:

Lateinamerika wird künftig für die Europäer kein großer Konsumgütermarkt mehr sein, aber ein um so größerer Markt für technische Spezialprodukte und Investitionsgüter. Ausländische Direktinvestitionen sind in den meisten Ländern willkommen in Form einer engen und gleichberechtigten Zusammenarbeit, in der sich das Auslandskapital mit dem nationalen Kapital zusammenfindet. Firmen mit vollkommen ausländischem Kapital, die ausschließlich vom Ausland her geleitet werden, werden in Lateinamerika bald der Vergangenheit angehören.

  • Dr. Roberto T. Alemann, ehemaliger argentinischer Wirtschaftsminister:

Das Spannungsfeld zwischen privater Initiative und staatlicher Planung nimmt im Industrialisierungsprozeß Lateinamerikas besondere Formen an, die teils auf der traditionell patriarchalischen Rolle der Regierungen, teils auf neuen Theorien beruhen, die dem Staat eine aktive Planung zuschreiben. Die Regierungen müssen zur Förderung der Industrie eine gesunde Währungspolitik betreiben und sorgfältig mit den Basisinvestitionen umgehen, deren unzureichende Ausstattung in Lateinamerika unüberbrückbare Engpässe für die Industrialisierung hervorruft. Die Steuersysteme müssen modernisiert werden, damit eine freundlich gesinnte Fiskalpolitik der Industrialisierung helfen kann.