Von Arianna Giachi

Komfortwohnung nannte sich die Wohnung, die wir in einem alten wiederaufgebauten Hause beziehen sollten. Ich gebe zu: es ist eine schöne großräumige Wohnung, in einem hübschen Haus, an einer stillen Straße gelegen, mit viel Himmel und Grün vor unseren Fenstern. Aber Komfort?

In dieser Wohnung beschränkt er sich auf die Kacheln im Bad. Ringsum und knapp mannshoch; bei der Besichtigung wurde ich eigens darauf hingewiesen. Meiner Meinung nach hätte zum Komfort mindestens ein Müllschlucker gehört. Ich denke es noch heute jeden Tag, wenn ich meinen Abfalleimer zwei steile Treppen hinab- und wieder hinaufschleppe.

Mit der Küche aber, wo ich den Komfort irrigerweise erwartete, hat der Architekt es sich besonders bequem gemacht. Sie war, bis auf einen Spülstein, gähnend leer. Für ihren Komfort, ja, auch nur für ihre zweckmäßige Einrichtung zu sorgen, blieb uns selbst überlassen. Daß das sogar bei zehn Quadratmetern Grundfläche – fast doppelt soviel wie in vielen anderen Wohnungen – beinahe unmöglich sein kann, stellte ich erst später fest. Vorläufig war ich fest entschlossen, mir eine vortrefflich durchrationalisierte Küche selbst zu schaffen.

Darüber, wie sie auszusehen hatte, damit kein überflüssiger Schritt, kein unnötiger Handgriff zu tun war, hatte ich mich genau informiert. Die umgekehrte Anordnung von Herdanschluß und Spülstein in meiner Küche hätte für die meisten Hausfrauen das ideale Programm von vornherein über den Haufen geworfen. Mir als Linkshänder kam sie zugute. Aber Schreckphantasien über das Los des Linkshänders in einer genormten Welt überfielen mich. Lebenslang muß er die Qualen erdulden, die er einst als Abc-Schütze ausgestanden hat – immer gegen den Strich bürsten. Fast war ich geneigt, meine individuell gebaute Küche zu preisen. Aber die Tücken zeigten sich bald.

Bewaffnet mit einem genauen Grundriß meiner Küche, machte ich mich auf zum Kauf der Kücheneinrichtung. Irgendwo unter den zahlreichen Küchenprogrammen mußte sich ja auch eines finden, das den Maßen meiner Küche entsprach. Gar zu wörtlich wollte ich es mit der lückenlosen Folge der Arbeitsflächen ja sowieso nicht nehmen. Denn ich habe nie begriffen, was man tut, wenn zwischen dicht an dicht stehendem Herd und Schrank doch einmal Flüssigkeit herunterläuft. Kleben lassen, weil es doch keiner sieht?

Was ich in den einschlägigen Geschäften entdeckte, übertraf alle meine Vorstellungen. Die Schränke in vielerlei Höhen und Breiten, mit Klapp-, Schiebe- und Rolltüren sind heute, abwaschbar, innen und außen mitKunststoff-Folie überzogen. Und mit allem erdenklichen Raffinement ausgestattet. Wo man allerdings Bügelbrett und Trittleiter in diesen komplett angebotenen Küchen läßt, überlege ich heute noch. Mein Besen brach zum Glück rechtzeitig und so ab, daß er in den größten auf dem Markt vorhandenen Besenschrank paßt.