Die Schleswig-Holsteinische Westbank gehört unbedingt zu jenen Aktienbanken, bei deden man das Gefühl haben kann, daß der Aktionär nicht nur ein (mehr oder weniger lästiges) Anhängsel ist, sondern daß er in den Dispositionen eine sehr wichtige Rolle spielt. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, hält die Verwaltung der Bank weder etwas vom Dividendengleichschritt noch von der stillschweigenden Übereinstimmung der deutschen Kreditinstitute, keine Rücklagen in dividendenberechtigtes Aktienkapital umzuwandeln. Man fühlt sich der (oft als Ausrede benutzten) Optik nicht verpflichtet. Offenbar ist die Bank froh darüber, bislang nicht in eine Größenordnung hineingewachsen zu sein, die zwangsläufig das Licht der Öffentlichkeit auf sie ziehen würde.

Für das Geschäftsjahr 1961 wird den Aktionären wieder eine Ausschüttung von 21 % vorgeschlagen. Im Vorjahr war sie in 16 % Dividende und 5 % Bonus aufgeteilt worden, diesmal sind es 18 % und 3 % Bonus. Aus der Heraufsetzung des Dividendenanteils läßt sich die gestiegene Zuversicht herauslesen, welche die Verwaltung für die zukünftige Geschäftsentwicklung hegt. Das Kreditgeschäft ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen, das Kreditvolumen um 39,4 auf 271,4 Mill. DM. Demgegenüber betrug die Zunahme der Einlagen und aufgenommenen langfristigen Darlehen 41,7 Mill. DM. Die Bilanzsumme stieg um annähernd 11 % auf 452,3 Mill. DM. Aber auch hier hat die Geschäftsausweitung nicht zu einer entsprechenden Erhöhung der Gewinne geführt. Es wirkten sich sowohl die Verringerung der Zinsspanne als auch das rückläufige Effektengeschäft aus. Immerhin wird der Posten „Sonstige Aufwendungen, Steuern und ähnliche Abgaben“ um 0,137 Mill. DM erhöht mit 4,3 Mill. ausgewiesen, so daß man annehmen kann, daß das Mehrgeschäft zumindest einen kleinen Nutzen eingetragen hat.

Die Rücklagen wurden um 1 (1,28) Mill. DM dotiert und erreichen jetzt einen Betrag von 9,5 Mill. DM. Sie überschreiten das Grundkapital um 1 Mill. DM, obwohl 1960 aus den Rücklagen 3,18 Mill. DM entnommen worden sind, um damit das Grundkapital (Berichtigungsaktien) aufzustocken. Natürlich ergibt sich bei der derzeitigen Rücklagenhöhe sofort die Frage, ob die Verwaltung die jetzige Relation zwischen Grundkapital und offenen Rücklagen für angemessen hält oder ob künftig die Rücklagen ein noch stärkeres Übergewicht bekommen sollen. Dabei kann man nicht außer acht lassen, daß das ausgewiesene Eigenkapital nur etwa 4 % der Bilanzsumme ausmacht, vergleichsweise also niedrig ist. Da die Bank sicherlich nicht den Ehrgeiz hat, sich mit den großen ausländischen Banken messen oder ins internationale Geschäft einbrechen zu wollen, wird man den geringen Anteil des Eigenkapitals nicht als einen schwerwiegenden Strukturfehler der Bilanz bezeichnen können. Andererseits deutet sich jedoch hier die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung an, besonders dann, wenn das Geschäftsvolumen noch einmal scharf ansteigen wird.

Nicht ohne Sorge verfolgt die Verwaltung die intensive Durchdringung Schleswig-Holsteins mit neuen Niederlassungen des Spar- und Kreditgewerbes. Der Wettbewerb ist auch auf dem flachen Lande härter geworden. Dazu der Vorstand: „Die Sucht, ins Geschäft zu kommen, drängte früher übliche Auffassungen der Sicherheit und der Rentabilität in den Hintergrund!“ Daneben beklagt die Bank die durch das nach ihrer Ansicht überholte Steuerprivileg der Sparkassen verzerrte Wettbewerbslage. Sie fordert gleiche Startbedingungen für alle Kreditinstitute. Im Geschäftsbericht wird zum Ausdruck gebracht, daß die Schleswig-Holsteinische Westbank an ihrer „traditionellen Linie“ festgehalten hat, worunter sicherlich zu verstehen ist, daß man mit den gleichen Maßstäben von Sicherheit und Rentabilität arbeitete wie bisher. Das ist sicherlich dann richtig, wenn man glaubt, daß die von der Bank kritisierten Mißstände vorübergehender Art sind. Aber was geschieht, wenn diese „Mißstände“ zu einer Dauererscheinung werden, sie eine neue Zeit im Kreditgewerbe einleiten? So falsch es auch vom Rentabilitätsstandpunkt sein mag, von der bisher erfolgreich betriebenen konservativen Politik abzuweichen, besteht nicht die Gefahr bei einem Verharren auf der bisherigen Linie, langsam an Boden zu verlieren? K. W.