Von Katharina Hoke

Es gibt auf der Welt vielerlei Ungerechtigkeiten, doch es gibt eine, von der nie gesprochen wird, und zwar die des Klimas. Camus schrieb das, und er schrieb an anderer Stelle von seiner Auflehnung im Namen aller Menschen, damit das Leben aller Menschen ins Licht erhoben werde.

Das ist mehr als eine Metapher. Unsere Liebe zum Süden ist durchaus legitim, niemand braucht sich ihrer zu schämen, kein Tourismus wird sie kompromittieren.

Allerdings zeigt sich an den in verregneten und vernebelten Wintern gebrauten Reiseplänen, wie blind diese Liebe sein kann. Jugoslawien, Italien, Spanien, gleichviel, das eine teurer, das andere billiger, das eine überlaufener, das andere mit schlechteren Straßen – so weit geht meist die Unterscheidung. Eine Reise in die Provence entspringt dann womöglich der ernüchterten Einsicht, daß die Zeit für Spanien nicht reicht.

Wenn es irgend geht, rast man auf dem Weg zur Pyrenäenhalbinsel das Rhônetal hinunter, selbstverständlich auf der Route Nationale 7, obwohl es auf der anderen Flußseite viel schöner ist.

Bei Pont St. Esprit überquert man die Rhône, dann geht’s der Kürze des Weges halber über Nîmes, wo man einen Blick auf die Arena wirft, die freilich auch gar nicht zu übersehen ist. Vielleicht bringt man gar ein Zwanzigminutenopfer für den Pont du Gard, für alle „nordiques“ das bekannteste Bauwerk der Provence, laut Reiseführer römischer Aquädukt von besonderer Harmonie.

Die Provence ist gewiß keine Landschaft, die ihre Schönheit dem allzu Eiligen enthüllt; es fehlt ihr so ganz das Spektakuläre, das Leute aus unseren Breiten für typisch südlich halten. Diesem Mißverständnis versuchen