DORTMUND (Museum am Osfwall): „Plastik aus

Ozeanien“

Die riesigen Holzskulpturen, zwei und drei Maler hohe Hauspfosten, Schlitztrommeln und Firstbalken, wurden auf Expeditionen in Neu-Guinea und auf den Neuen Hebriden gesammelt und nach Paris gebracht. Die Pariser Galerie Jeanne Bucher, die sich ausschließlich für moderne Kunst einsetzt, hat sie zuerst ausgestellt. Sammler, die sich sonst nur für Zeitgenössisches interessieren, haben die merkwürdigen, unheimlichen Stücke erworben. Das Dortmunder Museum, ebenfalls ein Museum für moderne Kunst, zeigt sie jetzt auch in Deutschland – bis zum 16. Mai – als einen Beitrag „zur Krisensituation der Kunst unserer Gegenwart“, als die „Zeichen, nach denen wir Ausschau halfen: in denen Abstraktion und Leben eins geworden sind“ (Leonie Reygers im Katalogvorwort). Seitdem die Kubisten sich für Negerplastik und die deutschen Expressionisten für exotische Objekte begeisterten, ist es üblich geworden, die Erzeugnisse der Naturvölker im Sinne der modernen Kunst zu interpretieren. Wie problematisch das auf die Dauer ist, beweisen die Schnitzereien aus Ozeanien, die zwar ausnahmslos in unserem Jahrhundert, aber doch nach alten Vorbildern entstanden sind, also Produkte der Steinzeit-Kultur repräsentieren. Die Ahnenfiguren mit den schrecklichen Gesichtern sind Ausdruck einer uns absolut fremden Welt der Ahnenverehrung, des Geisterglaubens, des Kannibalismus – aber kein ästhetisches Phänomen, dem man mit Begriffen wie Abstraktion und ähnlichen modernen Kunstvokabeln beikommen könnte. Man sollte sie allmählich wieder dahin tun, wohin sie gehören: in die Museen für Völkerkunde.

HAMBURG (Buchhandlung Kurt Saucke & Co.):

„Hegenbarth“

Die neuen Arbeiten von Josef Hegenbarth, Illustrationen zu Grimmelshausen, de Coster, Gogol, zu russischen Tiergeschichten und zum Faust II sind bis zum 19. Mai in Hamburg ausgestellt. Auch die freien Studien, Szenen auf der Straße, aus dem Alltag, zeigen nicht den sozialistischen Realismus der DDR, sondern Hegenbarths speziellen Realismus, der die wirklichen und literarischen Gegenstände grotesk übersteigert und dramatisiert. Der 77jährige Hegenbarth beweist, was eigentlich keines Beweises bedarf, daß es nämlich für einen Künstler, der den Simplizissimus illustriert, nicht den geringsten Unterschied macht, ob er in München oder in Dresden lebt.

LUGANO (Villa Ciani): „Schwarz-weiß“

Zum siebtenmal wird jetzt in Lugano eine internationale Graphik-Schau veranstaltet. In diesem Jahr haben sich Künstler aus 31 Ländern beteiligt. Jedes Land kann ein bis vier Künstler anmelden, und jeder Künstler kann vier Blätter, Zeichnungen oder Druckgraphik in Schwarz-weiß, zeigen. Deutschland ist mit Rolf Cavael, HAP Grieshaber, Rudolf Schoofs und Hann Trier vertreten. Hann Trier hat gerade den Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen erhalten. In Lugano wurde einem japanischen Künstler von einer internationalen Jury der erste Preis zuerkannt. Die Ausstellung in der Villa Ciani im Stadtpark von Lugano dauert bis zum 11. Juni. g. s.