Dem Liebhaber droht Gefängnis

RH-München

Die Inhaberin der elterlichen Gewalt kann von dem Liebhaber ihrer zwanzigjährigen Tochter Unterlassung jeglichen Umgangs mit der Tochter bis zu ihrer Volljährigkeit jedenfalls dann verlangen, wenn sie damit das Ziel verfolgt, ihre Tochter vor den Gefahren und Folgen eines außerehelichen Liebesverhältnisses zu bewahren.“

Dieses Urteil des Landgerichts München erreichte eine besorgte Mutter, die der Liebe ihrer Tochter zu einem jungen Mann nicht anders als mit gerichtlicher Klage beikommen konnte.

Das Urteil schwebt nun als dauernde Drohung über dem Armen: sobald er das Mädchen wiedertrifft, kann die Mutter beantragen, daß das Urteil vollstreckt werde. Der Liebhaber kann eine Geldstrafe bekommen oder Haft bis zu sechs Monaten. Und hat er die Strafe verbüßt und kommt wieder mit dem Mädchen zusammen – wieder kann er bestraft werden. Und das jedesmal. Ins Gefängnis allerdings kann er für alle Rendezvous zusammen nur zwei Jahre gesperrt werden. Die Geldstrafe ist nicht begrenzt.

Vor Gericht sagte der Mann, er werde trotz des Verbotes der Mutter die Tochter wiedersehen. ‚Ob er es trotz des gerichtlichen Urteils versuchen wird, ist abzuwarten.

Auch die Münchner Richter glauben nicht, daß sie durch ihr Urteil Liebe verhindern können. Das läßt ihre Begründung erkennen: „Allerdings steht die Töchter der Klägerin bereits im zwanzigsten Lebensjahr, so daß die Klägerin den Verkehr des Beklagten mit ihrer Tochter nur noch etwas über ein Jahr verhindern kann, da dann ihre elterliche Gewalt endet. Auch dieser Umstand kann aber der Klage nicht das Rechtsschutzbedürfnis nehmen. Ein Recht muß während der ganzen Dauer seines Bestehens durchgesetzt werden können. Ob die Tochter der Klägerin nach Erreichung der Volljährigkeit ihren Umgang mit dem Beklagten fortsetzen wird, spielt keine Rolle. Solange sie im schutzwürdigen minderjährigen Alter steht, muß die Klägerin ihr Elternrecht durchsetzen können.“