Die Messe in Hannover stand genauso im Zeichen einer Hochkonjunktur wie die des Vorjahres. Aber im Gegensatz zu 1961 werden viele der 5433 Aussteller diese Messe mit einem anderen Eindruck verlassen. In den zehn Tagen ließen sich so unterschiedliche Eindrücke sammeln, daß man die Messe sowohl mit freundlichem Optimismus kommentieren als auch die Gelegenheit erneut benutzen könnte, um pessimistische Warnungen auszusprechen.

Nachfrage und Wettbewerb zeigen nicht nur von Branche zu Branche größere Unterschiede als im Vorjahr, auch innerhalb einer Branche schwankt das Urteil stärker. Typisch ist, daß in der neuen Halle der Chemie und Kunststoffe 21 % der Aussteller mit dem Messeverlauf zufriedener sind als vor einem Jahr, 9 % jedoch genau die umgekehrte Erfahrung gemacht haben.

In der Elektroindustrie scheint es vielen deutschen Ausstellern gelungen zu sein, bei Investitionsgütern Preiserhöhungen zwischen 2 und 6 % durchzusetzen, ohne daß dadurch die Nachfrage beeinträchtigt wurde. Das Urteil des Maschinenbaus ist vorsichtiger. Auf den Ständen dieser Gruppe wurde sehr viel mehr über die Preise geredet als 1961. Ob sich hier die vielfach angestrebte Preiserhöhung um 3 bis 5 % durchsetzen konnte, ist noch keineswegs gewiß. Der Maschinenbau bekommt ja seine Aufträge meist erst nach der Messe.

Es gibt Branchen, die erwarten auf Grund dieser Messe für 1962 eine Wachstumsrate von gut 10 %, andere richten sich auf 3 bis 5 % ein, und einige wären froh, wenn sie das Ergebnis von 1961 halten können. Alles das sind Zeichen einer Normalisierung. Viele Unternehmungen werden Erlösschmälerungen hinnehmen müssen. Diese Sorge sollte ernst genommen werden, aber sie ist kein Grund, um nun schwarz zu sehen. K. D.