R. S., Bonn

Konrad Adenauer, so heißt es in Bonn, werde um die Mitte der Legislaturperiode – vermutlich Ende 1963 – die Regierungsgeschäfte seinem Nachfolger übergeben. Der Nachfolger soll noch Zeit haben, sich bis zur nächsten Bundestagswahl seine Position aufzubauen. Nicht ein Kanzlerkandidat, sondern ein Kanzler soll den Wählern präsentiert werden. Einen Wahlsieg aber kann die Union, wenn überhaupt, nur dann erringen, wenn sie Erhard mit seiner immer noch ungebrochenen Popularität an die Spitze stellt.

Es ist freilich bekannt, daß der Bundeskanzler Professor Erhard den Belastungsproben eines Regierungschefs nicht aussetzen will. Man hat den Eindruck, daß er am liebsten den Sonderminister Krone als seinen Nachfolger im Palais Schaumburg sähe. Aber Krone würde die CDU vermutlich nicht zum Sieg führen. Das weiß auch Krone, der selbstkritisch genug ist, um die Grenzen seiner Wirkungsmöglichkeiten nüchtern einzuschätzen.

Wer aber, außer Erhard und Krone, könnte sich sonst noch Chancen ausrechnen? Der Name des in die Parteiführung berufenen Dufhues dürfte im Jahre 1965 noch nicht zugkräftig genug sein, um die Wahlschlacht zugunsten der CDU zu entscheiden. Auch Schröder, so geschickt er sich auch als Bundesaußenminister bisher gezeigt hat, besitzt nicht, jedenfalls noch nicht, jene breitwirkende Überzeugungskraft, die ein Kanzlerkandidat braucht. Strauß ist durch die Fibag-Affäre angeschlagen. Er dürfte einer der eifrigsten Befürworter einer Kandidatur Erhards sein, was er ja auch bereits vor der letzten Regierungsbildung zu erkennen gab.

Unter diesen Umständen ist immer noch zu erwarten, daß die Partei und die Fraktion Professor Erhard an die Spitze der Wahllisten setzen werden. Begreiflich ist aber auch, daß man in den Union-Parteien nichts mehr fürchtet als eine Wiederholung der Auseinandersetzungen zwischen Adenauer und Erhard. Was Adenauer Erhard an Renommee wegnimmt, könnte der CDU am Wahltag fehlen.