Es gibt Familien, in denen vornehmlich Söhne geboren werden, und solche, in denen nur Töchter zur Welt kommen. Die beiden klassischen, von den Biologen häufig zitierten Beispiele sind ein bis ins 17. Jahrhundert zurückreichender englischer Stammbaum, der in zehn Generationen von 35 Geburten 33 Knaben aufweist, und eine Gruppe französischer Familien, die man recht ungalant als „monströses Weiberregiment“ bezeichnet hat, weil sie in drei Generationen nur Mädchen – 72 an der Zahl – hervorgebracht hat.

Ausschließlich männliche oder weibliche Geschwisternschaften, die in den Bevölkerungsstatistiken in größerer Zahl auftreten, als es die Zufallsverteilung zuließe, haben die Vermutung aufkommen lassen, daß Erbfaktoren bei der Geschlechtsverteilung mitspielen, und diese Vermutung ist auch jetzt wieder in einer Untersuchung der finnischen Gelehrten V. O. Renkonen, O. Mäkälä und R. Lehtovaara von der Universität Helsinki erhärtet worden.

Sie konnten aus ihren eigenen Erhebungen und aus dem statistischen Material der sächsischen Geburtenzählung der Jahre 1876 bis 1885 nachweisen, daß Eltern, die bislang nur Söhne hatten, auch weiterhin eher mit Jungen als mit Mädchen rechnen können; in Familien, die nur mit einem Töchtersegen bedacht sind, werden sich mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr Mädchen einfinden.

Indes geht aus den Untersuchungen der Finnen hervor, daß für die Geschlechtsverteilung unter den Kindern von Eltern, die sowohl Söhne als auch Töchter haben, ein anderes statistisches Gesetz gilt: Je mehr Jungen in den gemischten Geschwisterschaften bereits vorhanden sind, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, daß weitere Söhne folgen. Hier handelt es sich vielleicht um die Immunisierung der Mütter eine Abwehr des Organismus, die sich gegen männliche Embryos richtet.

Wer aber auf Grund der statistischen Ergebnisse seine Familie planen wollte, wäre schlecht beraten. Er würde kaum besser handeln als der törichte Roulettespieler, der auf Schwarz setzt, weil die Kugel zehn oder zwanzigmal nacheinander in einem roten Feld gelandet ist.

V. G.