Manchmal läßt es sich nicht länger vermeiden, daß man selber eine Party gibt. Nicht daß es uns das geringste Vergnügen machte!

Wer gibt schon freiwillig oder gar gern eine Party? Man weiß ja, was dabei herauskommt. Alle essen sich dick und dämlich, trinken vom besten Wein und Whisky, zerbrechen Gläser und antike Stuhllehnen, zerstampfen den Parkettfußboden, machen einen solchen Krach, daß man den Nachbarn wochenlang nicht mehr in die Augen sehen kann und noch nach Tagen mit Räumungsklagen rechnet, machen sich schließlich, ein Schlachtfeld hinter sich lassend, aus dem Staube und schimpfen anschließend Stein und Bein über die restlos mißlungene Party, die ein schlechtes Licht auf uns als Gastgeber werfe. Nicht einmal Astrachan-Kaviar gab es!

Will man aber selber zu Parties eingeladen werden, bleibt einem leider nichts anderes übrig, als sich in gewissen, möglichst lang bemessenen Zeiträumen mit einer Party für andere Parties zu revanchieren, sonst fällt man unangenehm auf.

Außerdem findet meine Frau, man müsse den gesellschaftlichen Kontakt mit wichtigen Leuten pflegen. Wer sich einmal in unserem Mies-van-der-Rohe-Sessel geräkelt und an ihren Schmalzgebackenen Keksen – im Vertrauen: das einzige, was ihr in der Küche gelingt – geknabbert hat, der brächte es anderen Tages nicht übers Herz, mein neues Fernsehprojekt abzulehnen. Zumindest habe er dabei ein schlechtes Gewissen.

Daß man es tunlichst vermeidet, zu seinen eigenen Parties Leute einzuladen, die selber Fernsehprojekte an den Mann bringen wollen, versteht sich von selbst.

Überhaupt beginnt eine Party gewöhnlich mit der Frage, wen man nicht einlädt: entweder, weil man mit der betreffenden Person bei ähnlichen Gelegenheiten schlechte Erfahrungen gemacht hat; oder weil man solche voraussieht.

Etwa mit dem lebhaften, knusperigen, zu allen Modezeiten recht kurzberockten Fräulein Kraspe. Gegen ihre Art, mit sämtlichen anwesenden Herren kleine Separat-Flirts, meist auf dem Balkon oder im Garten, zu veranstalten, habe ich persönlich gar nichts. Auch meine Frau behauptet, auf ein Fräulein Kraspe könne sie niemals eifersüchtig sein. (Daß sie immer dann in die Küche kommt, wenn ich dort mit Jeanny – wie sich Fräulein Kraspe gern nennen hört – am Eisschrank beschäftigt bin, ist reiner Zufall.) Den anderen Ehefrauen aber könne man, so sagt meine Frau, das Fräulein Kraspe einfach nicht zumuten, uns werde man für alle etwaigen ehelichen Folgen später verantwortlich machen.