Dieser Tage hatte ich zum erstenmal Gelegenheit, kriminalpolizeiliche Vernehmungen zu lesen – Raub, Unzucht, Diebstahl, Betrug. Es war interessant.

Es gibt Vernehmungen, die wenig ausführlich sind – zum Beispiel bei Diebstahl. Es gibt sehr ausführliche Vernehmungen – zum Beispiel in fast allen Fällen von Unzucht. Wenn man den Dieb genauso wie den Unhold vernehmen würde, dann sähe das so aus:

„Der Angeschuldigte näherte sich langsam der Haustür, indem er von vorn auf sie zuging. Dann nahm er mit der rechten Hand aus der rechten vorderen Hosentasche einen 18,6 Zentimeter langen Schraubenzieher, setzte ihn an der linken oberen Türschloßschraube an, wobei er mit der linken Hand nachhalf, um dem Werkzeug den nötigen Halt zu geben. Dann drehte er nach links, bis der Widerstand geringer wurde. Zu diesem Zeitpunkt legte er den Schraubenzieher neben seinen rechten Fuß, indem er sich dabei bückte, drehte dann, indem er wieder aufstand, die Schraube mit der rechten Hand – sie zwischen Daumen und Zeigefinger haltend –, weiter nach links, bis sie in seine linke hohle Hand fiel. Dann nahm er abermals den Schraubenzieher, indem er...“

Aber Vernehmungen zu Diebstahlssachen lesen sich anders – sowohl im Stil wie in der Ausführlichkeit. Ich habe drei Leute gefragt, weshalb das bei Unzucht anders ist: einen Staatsanwalt, einen Polizeibeamten, einen Rechtsanwalt. Sie wußten keine Antwort.

Der Rechtsanwalt meinte nur: „Kriminalbeamte sind auch Menschen...“ Stuck-