Die Kneifzange und das Ehesymbol Als Sophia Loren weinte „Lieber den Finger als den Ring“

Die neueste Geschichte von Sophia Loren gek so: Man filmt seit einer Woche im Schloß Tremsbüttel bei Hamburg; „Les Séquestrés d’Altona“ steht auf der Klappe. Die Kameras surren, de ersten Meter Zellouloid mit Aufnahmen einer Eheszene sind bereits im Kasten, da stellt man fest, daß alles umsonst war. Zwei kleine Requisiten passen nicht zusammen: Film-Ehemann Robert Wagner trägt einen goldenen Eherinj, seine Film-Frau Sophia Loren den ihren aus Platin. Es ist nur ein zweiter goldener Ring zur Hand, und so bestimmt der Regisseur de Sica: „Sophia, der Ring muß ab.“

Indes, der Star trägt ihn seit 1957, als er ihn zum Zeichen der Ehe mit Carlo Ponti wechselte, und obwohl der Vatikanische Gerichtshof vor wenigen Tagen abermals diese Ehe für ungültig erklärte: Der Ring geht nicht mehr vom Finger. Sophia versucht es mit Spucke; dann hält sie den Arm mehrere Minuten lang über den Kopf, damit das Blut aus den Adern der Hand fließe – vergebens. Schließlich kneift der Bühnenmeister den Ring mit einer großen Zange an zwei Stellen durch.

Augenzeugen berichten: „Die Loren, deren Augen bei dieser Prozedur feucht geworden waren, barg die beiden Teile des Ringes behutsam in ihren Händen und brachte sie in ihren Wohnwagen. ‚Das ist das größte Opfer, das ich je für den Film bringen mußte‘, sagte sie, mühsam mit den aufkommenden Tränen kämpfend, ‚und ich hoffe, so etwas wird nie wieder notwendig sein.‘ Als kurz darauf die Filmaufnahmen weitergingen, hatte sich die Schauspielerin wieder gefaßt.“

„Wie denn“, so frage ich eine Regie-Assistentin, „da sagt man den Filmleuten nach, sie wechselten Heimat, Gesicht und Ehegefährten mühelos wie Hemden – und plötzlich zeigt sich an einem kleinen Requisit des täglichen Lebens so viel Anhänglichkeit und Gemüt, so viel Symbolwert?“

Die junge Dame vom Fach plaudert aus der Schule: „Gewiß, die Loren steigt hier in Hamburg groß ein und hat sich schon viel Publicity geschaffen. Solche Leute leben von der Presse, die von solchen Geschichten lebt.“

Ich triumphiere: „Das Ganze war also nur eine willkommene gekonnte Show ... ?“