Lästert nicht die Zeit, die reine! Schmäht ihr sie, so schmäht ihr euch, Denn es ist die Zeit dem weißen, Unbeschriebnen Blatte gleich, Das Papier ist ohne Makel, Doch die Schrift darauf gebt ihr! Ist die Schrift just nicht erbaulich, Nun, was kann das Blatt dafür? Auersperg Am 1. Juni werden bei Ernst Hauswedell in Hamburg Handschriften und Autographen, am 2. Juni Graphik, Handzeichnungen, Bilder und Plastiken und am 4. Juni Bronze, Malerei, Porzellan und Keramik aus China und Japan versteigert. Die hier gezeigte Abbildung ist ein Blatt des "Theuerdanck", eines der schönsten Holzschnittbücher des frühen 16. Jahrhunderts, an dessen Herstellung auf Veranlassung von Kaiser Maximilian die bedeutendsten Künstler der Zeit mitarbeiteten. Der Taxwert beträgt 12 500 DM. Wolf Dietrich Schnurre, Günter Graß, Uwe Johnson und Hans Scholz werden im Rahmen der "Berliner Wochen", die vom 23. Mai bis 8. Juni in München veranstaltet werden, aus ihren Werken lesen. Im Rahmen dieser Vortragsreihe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ist unter anderem auch ein Referat über Gneisenau von General Speidel vorgesehen. Eine ungewöhnliche Breite der Darbietungen.

Beim "Internationalen Tschaikowskij - Wettbewerb" in Moskau hatte die kanadische Geigerin Betty Jean Hagen den siebenten Preis gewonnen. Aber die sowjetischen Behörden" verboten ihr, das mit demPreis verbundene Geld (knappe 1500 Mark) aus- der Sowjetunion auszuführen. Allenfalls ein .

Viertel der Summe hätte sie in westlicher Währung bekommen können, den Rubelrest aber im Lande ausgeben müssen. Miß Hagen verzichtete daraufhin auf den Preis.

In England wird im Sommer eine neue Vierteljahresschrift herauskommen, die von der Gesellschaft für nukleare Abrüstung herausgegeben wird. Die Veröffentlichungen des Magazins werden vorwiegend politischen und wissenschaftlichen Charakter tragen — moralische und emotionale Untertöne sollen vermieden werden.

Aus der amerikanischen Rockefeller Stiftung hat die Universität Heidelberg eine Zuwendung von 5450 Dollar (21 800 Mark) erhalten. Mit Hilfe dieses Geldes soll eine von Professor Rudolf von Albertini begonnene analytische Arbeit über die politische Konzeption der großen Kolonialmächte seit dem Ersten Weltkrieg beendet werden. Europäische Geldgeber waren an der Fertigstellung dieser Arbeit wohl nicht sonderlich interessiert? Vor einem halben Jahrhundert, im Frühjahr 1912, kündigte der Leipziger Insel Verlag im Börsenblatt das Erscheinen der "Insel Bücherei" an: "Die InselBücherei soll unsere gesamte Verlagstätigkeit widerspiegeln. Sie soll kleinere Werke — Novellen, Gedichtsammlungen, Essays, dramatische Dichtungen, Reden, Volksbücher — enthalten, die urheberrechtlich geschützt oder durch die Art der Bearbeitung oder Übertragung unser Eigentum sind, sodann Werke aus früherer Zeit, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind oder denen wir eine besondere aktuelle Wirkung zu geben beabsichtigen, und gelegentlich auch illustrierte Bücher Inzwischen sind mehr als 800 Titel erschienen, und der Verlag hat einen Hauptsitz nach Frankfurt am Main verlegt. Er wird von Fritz Arnold geleitet. Das Programm der Bücherei blieb sich selber treu. Nur der Preis hat sich geändert: 1912 kostete ein Bändchen 50 Pfennig, heute 2 50 bis 3 50 Mark.

Uwe Johnson erhielt vergangene Woche auf der Insel Mallorca den Internationalen Verlegerpreis für seinen Roman Das dritte Buch über Achim. Der Preis, der in diesem Jahr zum zweitenmal verliehen wurde, ist mit 10 000 Dollar dotiert. Wer wird sich jetzt zuerst zu Wort melden: Günther Graß oder Hermann Kesten? Nicht nur das Schießpulver, auch die "Paperbacks" haben die alten Chinesen erfunden. Diese Nachricht verbreitete jüngst Englands Sonntagszeitung "The Observer". Ihrem Bericht zufolge ist der Paperback "keine Neuheit". Er wurde vielmehr "vor 1000 Jahren von den Chinesen vorweggenommen, die das Papier schon zu Trajans Zeiten erfunden und, um 960, den Druck zur Perfektion entwickelt hatten Neu sei, so schrieb die Zeitung, lediglich die "verrückte, unersättliche Nachfrage". Die Hälfte der Teilnehmer an dem seit etwa einem Jahr bestehenden Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zum Studium seltener Sprachen, die im Wintersemester das Sprachstudium begonnen hatten, kam über das Probesemester nicht hinaus. Der DAAD sucht nun, bis 1. Juni, abermals Bewerber (mit abgeschlossenem Hochschulstudium, nicht älter als 35 Jahre) mit englischen oder französischen Sprachkenntnissen, die sich der Mühe unterziehen wollen, Japanisch oder Chinesisch, Haussa, Ewe oder Urdu zu lernen. Die in Asien und Afrika besonders gefragten Techniker sind, laut DAAD, unter den Stipendiaten bislang mit nur 28 Prozent vertreten. wären, wäre der ganze Zauber hier in 24 Stunden verflogen!" Am Nachmitag machten wir einen Stadtbum mel Über allem lag eine deprimierende Atmosphäre der. Lustlosigkeit. Der Putz bröckelte an den meisten Fassaden, der Kleidung der Leute fehlten die bunten Farben und die persönliche Note. Die Gesichter der Menschen waren ausdruckslos und verschlossen. Die Beleuchtung der Schaufenster war triste. Die Auslagen waren reichhaltiger, als wir erwartet hatten, aber lieblos und ohne je den Charme aufgemacht.

Es fiel uns auf, daß unser Gastgeber immer wieder auf diese und jene Mängel mit einer gewissen Befriedigung und Verachtung besonders aufmerksam machte. Wir erlebten das dann in den folgenden Tagen auch bei anderen von drüben immer wieder.