Zürich hat ein neues Etablissement, das Kochstudio. Dort finden, in bunter Reihenfolge, Vorführungen statt, bei denen man seine Kochkünste erweitern kann oder sogar, wie an den Abenden für Teenager, von der Pike auf beginnen muß. Ich wählte mir – zwischen dem Hausfrauen-Nachmittag, der der indischen Küche gewidmet war, und dem Kochkurs für Brautleute – einen Kochnachmittag für Amerikanerinnen. Zürich, das Herz Europas, wie ich neulich in einer US-Reklame las, hat eine große amerikanische Kolonie, deren Ladies teils mit Schweizern verheiratet sind oder mit ihren Männern in amerikanischen Niederlassungen vorübergehend oder auch für immer in „unserer kleinen Stadt“ leben.

Nichts mehr von der alten, oft riechenden Kochschulatmosphäre. Das Studio ist hell und weiträumig, hat eine Kochbuch-Bibliothek, mehrere Küchen und natürlich auch Verwaltungsräume. Nun, an diesem Nachmittag waren über fünfzig Damen anwesend. Gegen drei Uhr summte es wie am Broadway.

Das Thema hieß: Fondue, das schweizerische Nationalgericht, und die Varianten. Caquelon heißt das feuerfeste irdene Geschirr mit Stiel, in dem sie zubereitet wird, und man versuche nicht, das Wort in einem französischen Wörterbuch nachzuschlagen, denn es stammt aus dem Genfer Paiois, und ich möchte seinen Ursprung allenfalls damit erklären, daß es mit quaqueterie (Geschnatter, Klatsch) zusammenhängt, da die Fondue auch „das Freundschaftsmahl“ genannt wird. In der deutschen Schweiz sagt man zärtlich Chacheli, was soviel wie Kachel heißen könnte.

Alle jetzt folgenden Zutaten des Rezeptes, das ich mir an diesem Nachmittag notierte, sind wie immer für vier Personen gerechnet:

600 Gramm Käse, halb Emmentaler, zu deutsch Schweizer (der mit den Löchern), halb Gruyere, das ist der schärfere. 4 Deziliter Weißwein, einen trockenen; wir probierten Neuenburger. Ein Gläschen Kirschwasser, Salz, Pfeffer, Muskatnuß, Maizena und eine Knoblauchzehe.

Der Käse ist in blütenzarte Blättchen geschnitten (ja nicht geraspelt), dann wird das Caquelon mit der Knoblauchzehe ausgerieben, hinein mit dem Weißwein. Er wird bis zum Sieden erhitzt, es folgt der Käse. Nun muß man mit einem Holzlöffel, laut Tradition, in einer Achterdrehtng rühren. Salz und Pfeffer, von Muskatnuß ein Hauch, Maizena vielleicht (und auch dann nur ein bißchen). Die Fondue muß ein dickflüssiger Brei werden, und das geht nicht immer so schnell, wie es bei der Vorführung gegangen ist. Zum Schluß noch den Kirsch. Das Caquelon steht auf dem flammenden Rechaud; die Schülerinnen werden aufgefordert, zu kosten. Andächtig tauchen sie ihre auf Holzstäbchen gespießte, trockenen Brotwürfel in die Masse.

Die Fondue darf nie kochen, sie soll nur blubbern wie der Krater des Vesuvs, wenn er friedlich ist. Verliert eine weibliche Person ihr Stückchen Brot, so muß sie nach Schweizer Sitte jeden männlichen Anwesenden küssen. Sollte es einem Mann untergehen, so muß er eine Flasche Weißwein stiften.