NORDDEUTSCHER RUNDFUNK 11. Mai, das Hörspiel:

Wenn ein Autor etwas zu sagen hat – und eine Aktrice wie Luise Ullrich zur Verfügung steht, die sogar Gedanken so anschaulich sprechen kann, als entwickle sie diese beim Reden, dann ist die Regie der peinlichen „Notwendigkeit“ enthoben, durch ausgeklügeltes Schalten mit zahlreichen Tonräumen Stimmung zu zaubern.

Nachdem man bei allzu vielen Hörspielproduktionen unter dem Eindruck einer (künstlerischen) Überschätzung der technisch-elektrischen, der sogenannten „funkeigenen“ Möglichkeiten gestanden hat, wirkte die sparsame Verwendung des „Instruments“ bei dieser in München erarbeiteten Aufführung (Regie Fritz Schröder-Jahn) geradezu erfrischend.

Unmittelbar schien die Geschichte sich zu entfalten, die Christian Ferber unter Wahrung der dramatischen Einheiten, ohne Rückblenden, erzählt. Die Gattin eines „schimpflich“ degradierten und dann von den eigenen „Kameraden“ (in der Kriegsgefangenschaft) ermordeten Oberstleutnants fährt zwanzig Jahre danach auf die kleine französische Insel, die der deutsche Offizier damals entgegen seinem Befehl kampflos den Alliierten übergeben hat.

Man heißt sie dort nicht eben willkommen, aber der Besuch der „Gäste aus Deutschland“ bringt einiges Licht in das Dunkel jener Tage, die gespenstisch verzerrt nachleben.

Auf sentimentalische Versöhnungsszenen hat der Autor erfreulicherweise verzichtet. Bke.