Von Theo Fürstenau

Die Konfektion ist abgeschabt. Schlimm ist, wenn nicht einmal das Perfekte Glanz besitzt. Wo aber war im deutschen Film Glanz zu konstatieren? Was man einst als „Marke Hollywood“ bezeichnete, als Glamour der Konvention, Standard einer eleganten Bildführung, die den Nachtseiten des Lebens nicht zugewandt war: All das hat es bei uns nie gegeben.

Unsere Konfektion ist dürftiger, ist ärmer. In ihr steckt die vollendete geistige und materielle Pauvrete. Armut ist freilich das Schlimmste nicht, wenn sie sich in Zahlen ausdrücken läßt. Mangel an Phantasie, an Formgefühl, an Wirklichkeitsbewußtsein: das ist der Ärger. Bundesgelder können ihn nicht beschwichtigen.

Also: künden sich Wandlungen an im deutschen Film?

Vor nicht langer Zeit erschien auf dem Markte (so heißt es wohl noch immer bei jenen, die unablässig von der materiellen Misere des deutscher Films reden) ein Film, der hieß „Das Mädchen und der Staatsanwalt“. Was war Besonderes an ihm!

Beispielsweise, daß die Regie sich auf die Handkamera verlassen, daß sie die Dekoration verschmäht hatte, das schmucke Interieur, mit dessen Hilfe heute der deutsche Film „Lebensstandard“ repräsentiert. Nein, der Lebensstandard des jungen Fräuleins, das (fleißig von Brigitte Bardot abgeguckt) unablässig verdrossen ihren Schmollmund aufwarf, war nicht sehr hoch. Was Wunder, daß es auch mit ihrer Moral nicht sonderlich bestellt war.

Solcher Umstand veranlaßte den in den Bedürfnissen der „Branche“ kundigen Drehbuchautor, ein vertracktes Spiel von erotischer Tummelei und jammervoller Kuppelallüre anzuzetteln, in das er hämisch den Staatsanwalt verwickelte. Dem Staatsanwalt – man weiß ja, was man der Zeitkritik schuldig ist – war die heuchlerische Maske von der salbadernden Visage zu reißen.