AACHEN (Museumsverein): „Vom Bild zum Zeichen –

Sammlung Peltzer“

„Vom Bild zum Zeichen“ heiß die Ausstellung der Sammlung Felix Peltzer, Stolberg, Der Titel soll weniger diese rund 100 Werke umfassende Privatsammlung charakterisieren als die Entwicklung der Malerei in den letzten 50 Jahren. Es fängt an bei den „Bildern“ der Brücke-Maler und endet bei den „Zeichen“ von Winter, Götz und Dahmen. Die Sammlung umfaßt vor allem deutsche Malerei mit einigen interessanten Ausnahmen: Othon Friesz, Gromaire, Pascin bei den Älteren, Afro, d’Orgeix, Riopelle, Serpan bei den Neuen. So ähnlich würde wohl auch ein Museum (mit relativ bescheidenen Mitteln) sammeln, in systematischer Breite und ohne spezielle Liebhabereien, die sich eigentlich ein Privatmann leisten könnte. „Solche privaten Sammlungen sind von großem öffentlichen Interesse, denn sie stellen Reservoire dar, aus denen Museen später gespeist werden“, schreibt August Hoff im Katalogvorwort. Eine einleuchtende Erklärung, warum die Museen Privatsammlungen fördern und ausstellen. Die Ausstellung dauert bis zum 3. Juni.

DARMSTADT (Mathildenhöhe): „Sinn und Zeichen –

Japanische Kalligraphie“

Einige der in Darmstadt ausgestellten modernen Japaner waren auch schon auf der zweiten „documenta“ in Kassel zu sehen. Ihre Schriftbilder haben eine frappante Ähnlichkeit mit Arbeiten aus der Ecole de Paris und passen in den „globalen Kunststil“. Natürlich imitieren die Japaner nicht Hartung und Soulages, sie kommen aus ihrer uralten kalligraphischen Tradition und aus völlig anderen geistigen Vorstellungen zu äußerlich ähnlichen Ergebnissen. Der europäische Betrachter, nicht vertraut mit diesen geistigen Voraussetzungen und mit der Welt des Zen, bewundert ihren ästhetischen Reiz. Und da er den Sinn der Zeichen nicht lesen kann, betrachtet er sie so, wie er abstrakte Bilder betrachtet. Und er kann sich dabei sogar auf eine japanische Kapazität berufen. Professor Tsutomu schreibt zu dieser Ausstellung, man habe den wesentlichen Charakter der Kalligraphie begriffen, wenn man ihren inneren Rhythmus empfinden kann, ohne das einzelne Kanji lesen zu können. Das ist zum mindesten eine Geste der Höflichkeit gegenüber den Europäern, denen der Sinn der Bilder unzugänglich bleibt. Und bei den jüngeren japanischen Kalligraphen spielt der philosophische Gehalt der Schriftzeichen offenbar eine sehr viel geringere Rolle als die freie künstlerische Gestaltung. Mit 120 Arbeiten von 28 Künstlern ist die Darmstädter Ausstellung – bis zum 27. Mai – die bisher umfangreichste kalligraphische Schau in Deutschland. g. s.