Es will schon etwas heißen, wenn die vom Sparklima seit Jahren überdurchschnittlich profitierenden Bausparkassen davon sprechen, das Jahr 1961 habe mehr gebracht als man erwartete. Genau das tut die „Geschäftsstelle der öffentlichen Bausparkassen“ in ihrem jetzt vorgelegten Jahresbericht. Das „Mehr“ bezieht sich freilich weniger auf die Summe des Neugeschäfts. In dieser Hinsicht hat man sich schon auf Grund der von Jahr zu Jahr steigenden durchschnittlichen Vertragssumme an ein wachsendes Neugeschäft gewöhnt, selbst dann, wenn die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge abnimmt. Die Jahre 1959 und 1960 sind hierfür typische Beispiele. Anders jedoch im vergangenen Jahr, das den Kassenleitern insofern zur besonderen Freude gereichte, als die Zahl der neugewonnenen Verträge bei den 14 öffentlichen Bausparkassen mit 263 093 um 9,8 % höher war als 1960. Betragsmäßig schnitt man ebenfalls besser ab: Die Vertragssumme nahm um 15,4 % auf 4,55 Mrd. DM zu. Doch das lag weitgehend im Rahmen des Erwarteten. Der Vertragsdurchschnitt stellte sich nämlich auf 17 305 nach 16 460 DM.

Trotz dieses Rekordzuganges, der den gesamten Bestand der „öffentlichen“ auf 1,6 Millionen Verträge über eine Vertragssumme von 24,9 Mrd. DM wachsen ließ, ist man für die Zukunft nicht unbedingt optimistisch: „Das Volumen des Neugeschäfts kann wohl nicht mehr über einen längeren Zeitraum hinweg von Jahr zu Jahr ausgedehnt werden.“ Diese Skepsis ist nicht neu. Sie gehört fast schon so zum Geschäft wie die Tatsache, daß gut 50 % eines Bausparjahrganges jeweils erst in den letzten drei Monaten vor dem Ultimo hereingeholt werden. Und die Endabrechnung am 31. Dezember war bisher noch immer besser als dies selbst die Optimisten der Branche zum Jahresanfang erwarteten.

Das steigende Masseneinkommen und die staatlichen Förderungsmaßnahmen kompensieren offenbar sogar jene Faktoren, die heute immer wieder beklagt werden: die Steigerung der Bau- und Grundstückspreise. Wie anders wäre der unverändert starke Zulauf zu den Bausparkassen sonst zu erklären? Der Verband der „öffentlichen“ glaubt freilich etwas anderes: „Noch hoffen die Bausparer, wie Neuabschlüsse und Geldeingang zeigen, daß der Baupreissteigerung Einhalt geboten wird.“ Nun, wenn allein diese Hoffnung den Ausschlag gäbe, wäre es um das Bausparen vermutlich schlecht bestellt.

Hier und da mag man sich vielleicht fragen, wie die Bausparer bei einem so bescheidenen Vertragsdurchschnitt von 17 305 DM – bei den 17 privaten Kassen lag er 1961 immerhin bei 21 005 DM – einen Bau heute überhaupt noch realisieren wollen. Der Jahresbericht der den Sparkassen nahestehenden öffentlichen Bausparkassen gibt darauf eine aufschlußreiche Antwort. Statistischen Erhebungen zufolge werden die Verträge heute mehr „für andere Zwecke als für den Bau von Eigenheimen verwendet“. Gemeint sind damit vornehmlich die Verbesserung und die Instandsetzung von Wohngebäuden, eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren sicher noch eine größere Rolle spielen wird. So ist es denn auch zu verstehen, daß der zweite (und dritte) Bausparvertrag mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, namentlich dort, wo „bausparen“ wie in Württemberg schon zum guten Ton gehört. Nicht von ungefähr steht schließlich in der Reihe der 14 öffentlichen Institute die „öffentliche Bausparkasse Württemberg“ nach wie vor einsam an der Spitze. Trotz der dort weit über dem Durchschnitt liegenden Bauspardichte konnte diese Kasse 1961 je Einwohner ein Neuzugang von 184 DM bei einem Bundesdurchschnitt von nur 81 DM verbuchen.

Was in diesem Zusammenhang im Jahresbericht jedoch nicht gesagt wird, ist nicht minder interessant: Der Vertragsdurchschnitt wird auch durch die reinen Steuersparer stark gedrückt. Wer nämlich nicht bauen, sondern nur die Wohnungsbauprämie mitnehmen oder die Steuererklärung entlasten will, schließt erfahrungsgemäß schon wegen der Abschlußgebühr einen verhältnismäßig niedrigen Vertrag in der Größenordnung von 7000 oder 8000 DM ab. Wie groß die Zahl dieser Bausparer ist, läßt sich nur vermuten, da sie statistisch schwer zu erfassen sind. Sicher ist aber offenbar, daß sie längst nicht so hoch ist, wie dies gelegentlich angenommen wird. Die Schätzungen liegen bei etwa 10 bis 15 %, je nach der Bezugsgröße. Dieser Anteil macht immerhin den niedrigen Vertragsdurchschnitt etwas verständlicher. Er ist gewissermaßen auch eine Garantie dafür, daß der noch zuzuteilende Bestand – bei den „öffentlichen“ waren dies Ende 1961 rund 16,4 Mrd. DM – nicht in vollem Umfange „verbaut“ wird. Die Steuersparer sind den Bausparkassen durchaus willkommen! Sie steuern verhältnismäßig billiges Fremdgeld bei und verkürzen, da sie selbst keiren Darlehensanspruch geltend machen, die Wartezeit der bauwilligen Bausparer. Sie verhalten sich somit fast im Sinne des Gesetzgebers. lz