Das „Porträt“ scheint – auf dem Bildschirm zumindest – eine besonders heikle Sache zu sein. Auch nach unzähligen Versuchen in dieser Richtung sieht es nicht so aus, als sei ein besonderer telegener Ihterview-Stil bereits gefunden.

Was Musiker und bildende Künstler anlangt, sieht es da (wie die Sendungen über Moore und Fricsay zum Beispiel nachdrücklich dokumentierten) besser aus: Sie kann man wenigstens bei der Arbeit, während des produktiven Prozesses zeigen. Beim Schriftsteller oder Wissenschaftler entzieht sich die Leistung dem Bilde, und so endigt die Fernsehbegegnung zumeist beim dahinplätschernden Stammtischgespräch.

Zwei miteinander konkurrierende Reihen geben Anlaß, die Angelegenheit noch einmal zu bedenken: Friedrich Lufts Künstler-„Profile“ und Klaus Harpprechts Serie „Zeugen des Jahrhunderts“. Lufts Unternehmung, jüngst mit Böll begonnen, wurde jetzt mit einem Kortner-Gespräch fortgesetzt (ein. paar Tage später kam als Ergänzung Kortners Parforceritt in Becketts „Letztem Band“), Harpprechts Serie startete mit einer Plauderei mit Willy Haas, will aber als „Jahrhundertzeugen“ – etwas unvernünftigerweise – auch noch Leute wie den Rennfahrer Stuck und den Admiral Ruge vorstellen.

Obwohl doch Luft und Harpprecht ausgezeichnete Köpfe sind, nahmen sich alle drei Beiträge (und auch was sonst noch früher auf diesem Felde gemacht worden ist) einigermaßen belanglos und zufällig aus: Haas plauderte so ein bißchen weltläufig von den alten Zeiten, Böll sagte, was er mit seinen jugoslawischen Tantiemen macht und weshalb er sich ein Haus in Irland baute, und Kortner beantwortete Fragen über Schauspielerei und Regie. Es war ganz hübsch, aber nicht sonderlich ergiebig.

Nach dem etwas mageren Ergebnis fragt man sich, ob nicht Stil und Technik des Interviews geändert werden müßten, da das nur durch eine kurze Vorbesprechung vorbereitete Plaudergespräch so offenkundig seinen Zweck nicht erfüllt. Es mag fraglich sein, ob das kalte und inquisitorische, dem Partner bösartig zusetzende Verhör amerikanischer Fernsehart sich für Deutschland empfiehlt; man hat seine Bedenken, da die deutsche Prominenz vom Interviewer vor allem Bekundungen der Reverenz erwartet.

Da aber aus der sogenannten Spontaneität sichtlich nicht viel herauskommt, ließe sich fragen, ob man den Gang des Gespräches nicht doch vorher vom Formalen her festlegen und vom Inhaltlichen her intellektuell etwas aufbereiten sollte: Zumindest wäre wünschenswert, daß man auf sehr präzise Weise die eigentümliche Leistung und Bedeutung des jeweiligen Gastes herauszubringen sucht – was doch bei Schauspielern etwa durch vergleichende Filmaufzeichnungen von verschiedenen Darstellungen derselben Rolle durch verschiedene Akteure, bei Schriftstellern vielleicht durch eindringliche und sozusagen sachexakte Gespräche über das betreffende literarische Oeuvre, von der Technik des Dialogs bis zur Komposition, nicht allzu schwierig sein dürfte. Bisher kommt bei Fernseh-Interviews eigentlich nicht viel mehr heraus, als daß die Leute alle sehr bedeutend und sympathisch sind, was zwar eine ziemlich beruhigende, aber nicht übermäßig stimulierende Auskunft ist.

Umgelters Fallada-Unternehmen der letzten Woche, durch dramaturgische Fehler, regieliche Mißgriffe und Fehlbesetzungen von vornherein gerichtet, wiederholte auch in anderer Hinsicht das Fiasko des letzten Jahres mit dem Fernseh-Roman nach Erik Reger’s Schiffer im Strom“: Wieder ruinierte es einen ganz und gar aus dem Klima der Weltwirtschaftskrise lebenden Stoff durch die gedankenlose Übertragung auf die heutige Prosperitätsgesellschaft. – Deprimierend der Bericht über den Antisemitismus in der Bundesrepublik. lupus