Die radikalen Sozialisten sind Figuren auf dem Schachbrett der kommunistischen Strategie

Von Rolf Zundel

Die politische Beschränktheit äußert sich in der Bundesrepublik vornehmlich in zwei Formen: Im blinden Antikommunismus und im blinden Haß gegen das Bonner „Regime“. So heftig sich beide Lager manchmal befehden, eines ist ihnen gemeinsam: Hier wie dort behaupten die Wortführer, auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. Ihre politische Betätigung indes ist geeignet, das Grundgesetz zur Farce zu machen. Im folgenden Artikel ist von den Gegnern des Bonner „Regimes“ die Rede, und zwar von jenen, deren politischer Standort im allgemeinen als „links von der Sozialdemokratischen Partei“ angenommen wird.

Auf der radikalen Linken gibt es heute ein undurchdringliches Gewirr von Organisationen: Die Deutsche Friedensunion und all die vielen kleinen Gruppen, die angeblich den Kampf für den Frieden und gegen die Atomrüstung auf ihre Fahnen geschrieben haben, marxistische Arbeitskreise, die Vereinigung unabhängiger Sozialisten, den Sozialistischen Deutschen Studentenbund samt seiner Förderorganisation und jetzt als Neuerscheinung sogar die Anfänge einer Sozialistischen Partei“.

Daß sich in diesen Organisationen viele ehrenwerte Männer gefunden haben, soll nicht bestritten werden: Idealisten mit Hegelscher Verachtung für die Realität; Marxisten, die die Lehre ihres Meisters rein erhalten wollen und für ein Komma auf die Barrikaden steigen; ehrliche Gegner aller Atomversuche; Individualisten, die in keine Parteischablone passen; Menschen schließlich, die ausgezogen sind, koste es was es wolle, den Balken im eigenen Auge zu finden.

Was sie dabei gefunden haben, haben andere freilich auch schon entdeckt; die SED-Zeitungen nämlich und die Propagandisten der Sowjetzone. Du; mag ein Grund sein, den Aposteln der Linken zu mißtrauen. Allein, er genügt nicht. Wer immer die Politik der Bundesregierung kritisiert, muß nun einmal damit rechnen, im Zentralorgan der SED „Neues Deutschland“, zitiert zu werden. Und schließlich haben ja die Marxisten hüben und drüben den gleichen Stammvater, ihr politisches Denken vollzieht sich in den gleichen Kategorien.

Bedenklicher aber ist, daß die neue Linke sowohl in ihrer Organisation wie in der politischen Tätigkeit genau den Plänen der SED entspricht. Die Entstehungsgeschichte der neuen Linken weist in der Tat seltsame Parallelen zu politischen Entscheidungen in Ostberlin auf.