Über die von der Bundespost eingeführten Postleitzahlen ist schon viel gelästert worden. Die ironische Schreibweise „Postleitzahlen“ deutet an, daß daraus für viele Bürger wirklich großes Leid entstehen kann. Das ergibt sich schon aus der bisherigen Rechtsprechung über den Briefverkehr.

Da hatte erst kürzlich ein Geschäftsmann große Verluste hinzunehmen, weil ein wichtiges Schreiben an seinen Lieferanten falsch frankiert war. Der Kaufmann hatte fristgemäß gerügt, daß die erhaltene Ware verdorben sei. Der Brief mit dieser wichtigen Mängelrüge war jedoch mit zu wenig Briefmarken versehen und dadurch erheblich verspätet eingetroffen. Der Bundesgerichtshof entschied (VIII ZR 167/60), daß diese Mängelanzeige verspätet zugegangen und daher wirkungslos sei. Infolgedessen mußte der Kaufmann die verdorbene Ware behalten und bezahlen.

Bei Reklamationsbriefen, so fügte das Gericht noch grundsätzlich an, müsse besondere Korrektheit verlangt werden. Daher sei auch die Adresse leserlich und vollständig zu schreiben. Wenn nämlich die Post unleserlich oder unzureichend adressierte Sendungen nicht rechtzeitig oder gar nicht zustellen könne, gehe das Risiko allein zu Lasten des nachlässigen Absenders.

Solche Versehen können unter Umständen unersetzliche Verluste erzeugen, beispielsweise gegenüber Versicherungen, bei denen es oft auf die peinlichste Beachtung der Fristen ankommt: Wenn zum Beispiel brieflich um Verlängerung einer Frist zur Prämienzahlung gebeten wird, oder wenn ein Unfall oder Todesfall sofort gemeldet werden muß. Schon viele Versicherungsnehmer haben hier sehr teures Lehrgeld zahlen müssen, wenn ihre Briefe oder Geldüberweisungen falsch adressiert oder unleserlich geschrieben waren, so daß die Post die Sendungen nicht oder nur verspätet befördern konnte. Nach dem Gesetz kommt es eben nicht darauf an, daß eine Mitteilung nur abgeschickt wird, sondern darauf, daß der Empfang nachgewiesen wird. Die Post kann keinesfalls für die Bequemlichkeit oder Unzuverlässigkeit der Absender verantwortlich gemacht werden. Ein Brief an Herrn Müller in Neudorf braucht ebensowenig befördert zu werden wie ein Paket an Frau Lehmann in Weiler oder eine Geldsendung an Fräulein Lieschen in Steinbach. Es gibt nämlich 11 Neudorf, 21 Weiler und sogar 25 Steinbach in der Bundesrepublik, wie in dem Katalog über Postleitzahlen nachgelesen werden kann. Bei allem Wohlwollen und wirklich gutem Kundendienst der Post – sie ist ja kein Hilfsinstitut für minderbegabte oder faule Postkunden. Das betonen die Gerichte immer wieder, wenn es um angebliche Bummeleien der Bundespost geht.

Auf jeden Fall kann die Post nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn eine Sendung wegen unzulänglicher Adresse nicht ankommt. Wer einmal bei der Post zugesehen hat, wie die täglich entstehenden Berge von schlecht adressierter Post sortiert und vervollständigt werden, wird die Richter verstehen, die völlig begründet solche Anforderungen an die Benutzer der Post stellen.

M.