H. W., Niebüll

Fünfzehn Familien in dem kleinen Städtchen Niebüll an der schleswig-holsteinischen Westküste sehen in die Röhre; und, wie die Redewendung vermuten läßt, sie sahen so gut wie nichts. Dabei waren sie so hoffnungsvoll und froh bewegt, als sie endlich Anschluß an die neue Zeit gefunden hatten und zum erstenmal ihre Fernsehgeräte einschalteten. Aber es surrte und brummte nur, und das Bild blieb undeutlich. Eine vorübergehende Störung, dachten sie und harrten brav vor dem Gerät aus. Der Bunte Abend, auf den sie sich gefreut hatten, ging unter Brummen und Surren zu Ende – so, wie er angefangen hatte.

So oft die Niebüller ihr Gerät einschalteten, das Bild war verzerrt, das Brummen kaum auszuhalten. Ihr Ärger wuchs, als sie erfuhren, daß der Fernsehempfang ein paar hundert Meter von ihnen entfernt einwandfrei war. So wandten sie sich an die Oberpostdirektion in Kiel. Schließlich war ja die Bundespost für die Beseitigung, zumindest aber für die Ermittlung solcher Störungen zuständig.

Die Post entsandte denn auch Funkstörungsmeßtrupps, die schnell herausfanden, daß die großen E-Masten der „Schleswag“ die Störungen verursachten. Entweder, so diagnostizierten die Störungssucher der Bundespost, liege das an den Isolatoren der Masten oder an den Leitungen, die nicht richtig aufgehängt seien. Sprachen’s, machten ihren Bericht und fuhren weiteren Aufgaben entgegen.

Also schrieben die enttäuschten Fernseher an (die „Schleswag“, die mächtigste Stromversorgungsgesellschaft in Schleswig-Holstein. Die „Schleswag“ antwortete, an ihren Masten könne es nicht liegen. Die Leitungen seien nach den anerkannten Regeln der Technik mit allen Sicherungsmaßnahmen gebaut worden. Der Fehler möge sein, wo er wolle, nicht bei der Schleswag. Im übrigen machte die „Schleswag“ den 15 Niebüllern einen Vorschlag: Sie sollten es doch mal mit dem zweiten Programm versuchen.

Die Niebüller wandten sich nun wieder an die Bundespost und an den Norddeutschen Rundfunk. Die Briefe gingen hin und her, aber es geschah nichts. Die Niebüller sehen immer noch in die Röhre.

Es ist ihnen nur ein schwacher Trost, daß auf Sylt vor einiger Zeit ähnliches geschehen ist. Auch dort hatten Isolatoren an den E-Masten Empfangsstörungen verursacht. Dort hatte man den Schaden sofort beseitigt. Allerdings: Die Masten auf Sylt gehörten nicht der „Schleswag“, sondern der Sylter Stromversorgung.