London, im Mai

Was kann noch gerettet werden? Im schlimmsten Fall droht in Rhodesien ein Bürger- und Rassenkrieg nach dem Vorbild von Algerien oder aber eine Massenflucht weißer Siedler vor den neuen Machthabern nach dem Vorbild des Kongo. Die Weißen könnten durch einen Krieg nichts gewinnen; Sir Roy Welenskys Beteuerung, er werde – wenn es zum Äußersten komme – die Auflösung der Föderation mit Waffengewalt verhindern, ist nur eine Drohung, die keine praktischen Folgen haben wird. Den Eingeborenen aber wäre durch die Vertreibung der Weißen nichts genützt, die in zwei Generationen das arme Süd-Rhodesien in ein blühendes Land verwandelten; es würde nur das Absinken des Lebensstandards auf das Niveau Tanganjikas bedeuten.

Großbritannien jedoch wird sich nicht über Nacht zurückziehen (wie es Belgien im Kongo tat). Ungeachtet der Empfehlungen der „UNO-Kommission der Siebzehn“, die man in London für agitatorisch-irreführend hält, wird Großbritannien versuchen, eine Algerien- oder eine Kongokatastrophe in Zentralafrika zu verhüten. Wenn Macmillan damals vom „Wind der Veränderung“ sprach, der über den afrikanischen Kontinent hinwegfegt, so läßt sich aus Butlers letzter Unterhausrede schließen, daß ihm die gegenwärtige Windstärke zu groß ist.

Kann Butler, Londons Sonderminister für Zentralafrika, den Sturm in eine freundliche Brise verwandeln? Was läßt sich vom Konzept der politischen Föderation heute noch retten? Butler will sich darüber an Ort und Stelle ein Bild machen. Schon vor drei Jahren hatte die Monckton-Kommission erklärt: ein dauerhafter Zusammenschluß der drei Gebiete in Zentralafrika könne nur mit Zustimmung der Eingeborenen gefunden werden. Das aber ist die gegenwärtige Situation: Njassaland will unter keinen Umständen in Sir Roy Welenskys Föderation bleiben, auch Nord-Rhodesien sträubt sich dagegen; selbst eine lockere politische Verbindung mit Süd-Rhodesien ist in eine weite Ferne gerückt.

Es war Sir Roy Welensky selbst, der die Situation auf die Spitze trieb. Kenneth Kaunda, der Führer der Eingeborenen in Nord-Rhodesien, ist im Grund ein gemäßigter Mann; er war beeindruckt von Macleods und Maudlings Versuchen, den Schwarzen in Nord-Rhodesien das Recht zu politischen Entscheidungen verfassungsmäßig zu sichern. Aber Welensky mobilisierte seine Truppen.

Welensky hätte vielleicht noch einen Stimmungsumschlag bewirken können, wenn er sich zu einem konkreten Bekenntnis zur Sache des politischen Fortschritts bereit gefunden hätte, zu einer Geste der Versöhnung. Die Wahlen indes, die er zur Bestätigung seiner Politik einberief – Wahlen auf Grund eines längst überholten Wahlsystems des exklusiv-weißen Mitspracherechts – verschärften nur die allgemeine Verbitterung.

Weit entfernt davon, durch solche Wahlen etwa Dr. Hastings Banda von Njassaland dazu zwingen zu können, in der Föderation zu verbleiben, hat er durch seine verbohrten Methoden selbst seinen bisher engsten Bundesgenossen verloren – Sir Edgar Whitehead, den Premierminister von Süd-Rhodesien. Whitehead geht es jetzt nicht mehr darum, die Föderation „auf Biegen und Brechen“ zu retten. Er begnügt sich damit, Süd-Rhodesien auf möglichst feste Fundamente zu stellen. Daher liebäugelt er mit dem Plan, das Kupfergebiet Nord-Rhodesiens an Süd-Rhodesien anzuschließen.