Von Thilo Koch

Washington, im Mai

Bonn ist entweder konfus oder doppelzüngig – auf diesen Nenner lassen sich die Washingtoner Kommentare zur neuesten Belastung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses bringen. Das letztemal war man nur ärgerlich; diesmal ist man besorgt. Die Indiskretion um das amerikanische Verhandlungsprogramm für die Gespräche mit Sowjetbotschafter Dobrynin trat als peinlicher Zwischenfall bald wieder in den Hintergrund; des deutschen Bundeskanzlers Berliner Plaudereien führten hier zu Überprüfungen, wie sie so kritisch und kühl bisher noch nicht zu lesen und zu hören waren.