Die Zunahme der Masseneinkommen hat für die Versicherungswirtschaft eine dreifache Wirkung mit sich gebracht. Wie die Allianz Versicherungs-AG, München-Berlin, in ihrem Geschäftsbericht 1961 feststellt, machte sich die merkliche Verschiebung der Volkseinkommensverteilung zugunsten der Einkommen aus unselbständiger Arbeit nicht nur günstig im Neugeschäft und in der Bestandsvermehrung der Personenversicherung bemerkbar, sondern auch in den wichtigen Zweigen der Sachversicherung, wie vor allem in der Kraftfahrtversicherung. Aber auch in der Privathaftpflicht-, in der Unfall- und in der kombinierten Hausratsversicherung wächst in diesen Kreisen der Versicherungsbedarf. Die Verschiebung der Zusammensetzung des Gesamtbestandes zugunsten des einfachen Geschäftes wird begrüßt als Gegengewicht gegen die Großrisiken, die mit der fortschreitenden technischen Entwicklung und der noch lebhaften Investitionstätigkeit weiter zugenommen haben und die bei den oft komplizierten Risikoverhältnissen den versicherungstechnischen Ausgleich erschweren. Andererseits beeinflußte die Einkommensbewegung auch nachhaltig die Höhe der Schadensleistungen, die für einen erheblichen Teil des Bestandes in Bezahlungen von Reparaturen und Ersatz von Einkommensausfall bestehen.

Die Zahl der angemeldeten Schäden im selbstabgeschlossenen Geschäft hat sich um 70 279 auf 1,21 (1,14) Mill. erhöht. Von einigen Sparten abgesehen, liegt diese Zunahme unter der Steigerungsrate der Beitragseinnahmen und der Entwicklung der Risikenzahl, so daß sich also die Schadenhäufigkeit verringerte, während sich jedoch der Schadenaufwand durchschnittlich in den meisten Zweigen erhöhte. Die Hälfte aller Schadensmeldungen entfällt auf die Kraftfahrzeugversicherung. Im Geschäftsjahr wurden etwa 1,2 Mill. Schäden abgewickelt. Die Prämieneinnahmen aus dem selbstabgeschlossenen und übernommenen Geschäft stiegen um 128 auf 978 Mill. DM; im Vorjahr hatte der Zuwachs 130 Mill. DM betragen. Wie anläßlich einer Bilanzbesprechung unter Leitung des neuen Vorstandsvorsitzenden Alfred Haase – Dr. Hans Goudefroy war am 26. Dezember 1961 gestorben – mitgeteilt wurde, betrug der Prämienzuwachs im I. Quartal des laufenden Jahres 10,5 %. Er hat sich also gegenüber der gleichen Vorjahreszeit (15,4 %) verlangsamt, während der Schadenssatz sich auf 56,86 (53,85) % erhöhte. Mit der Schadensentwicklung, die sich durch den Fortschritt der modernen Technik ebenso wie durch die Entwicklung der Rechtssprechung immer schwerer abschätzen lasse, sieht die Verwaltung ihre Reservepolitik bestätigt. Mit 15,6 Mill. DM Zuweisung zu den Rücklagen wurde etwa der Satz des Vorjahres (16 Mill. DM) gehalten. Versicherungstechnische Rückstellungen haben sich auf 941 (809) Mill. DM, Rücklagen auf 98 (75) Mill. DM erhöht.

Die Flutkatastrophe in Norddeutschland, die bis Ende Februar 13,7 Mill. DM Schadensregulierungen erforderte und insgesamt etwa 15 bis 16 Mill. DM ausmachen dürfte, kostete allein in der Sparte „Betriebsunterbrechung“ für Hamburger Metzger 822 000 DM. Hier war man, wie betont wurde, vor allem um eine schnelle Regelung u. a. durch Sonderaktionen für Unterbringung von Kraftfahrzeugen bemüht.

Industrieschäden haben im Januar/April 1962 auf 20 (11) Mill. DM zugenommen, wobei im Januar/März 20 Großschäden (ab 1 Mill. DM) gezählt wurden (ebensoviel wie im ganzen Jahr 1960), während es im ganzen Vorjahr 20 waren. Bei gleicher Entwicklung rechnet man im laufenden Jahr mit 40 bis 50 Großschäden. Die Kfz-Versicherung steht weiter im Zeichen der zweiten Motorisierungswelle, die den Markt des sogenannten Privatfahrers erschließt. Aber auch der stärkere Wechsel vom kleinen zum größeren Fahrzeug erhöhte das Prämienvolumen. Die Fluktuation seit der Einführung der individuellen Tarife wird als nicht erheblich bezeichnet. Andererseits wurde angedeutet, daß die derzeitige Tarifstruktur „auch im Interesse einer raschen und loyalen Schadensregulierung“ nicht ausreichen könne. Im Auslandsgeschäft war eine Steigerung der Prämieneinnahme zu verzeichnen. Der Aufwertungsverlust wurde auf 1,5 Mill. DM beziffert. Im Zuge der zunehmenden Integrierung des Europamarktes rechnet man mit einer weiteren Verschärfung der Konkurrenz.

Die 4215 (4205) Aktionäre sollen in der Hauptversammlung am 29. Mai die vorgeschlagene Stückdividende von 30,60 (30) DM billigen/die etwa einem Dividendensatz von 17,02 % entspricht Nach der Kapitalerhöhung sind für die Ausschüttung 8,08 (5,28) Mill. DM erforderlich. In dem Zuwachs der Vermögensanlagen um 132 (120) Mill. DM auf 956 Mill. DM ist der Zufluß von 24 Mill. DM aus der Erhöhung des Aktienkapitals auf 52,80 (35,20) Mill. DM und aus der Einzahlung auf die Altaktien enthalten. Der Wertpapierbestand hat von 480 auf 563 Mill. DM zugenommen nach der endgültigen Bewertung von mit Merkposten geführten Wertpapieren. Inwieweit er von den Kursrückgängen an der Börse im laufenden Jahr beeinträchtigt wurde, bleibt abzuwarten. Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 1962 wird auf die infolge der Flutkatastrophe in Norddeutschland wesentlich höheren Schadensaufwendungen hingewiesen. Eine Dividendenprognose wird nicht gestellt. t. r.