Einen Beitrag zur Diskussion über die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung liefern die seit Jahren von der Expansion der Zwangsversicherung in die Enge getriebene private Krankenversicherungen in ihrem neuesten Jahresbericht. Da etwa die Hälfte aller Volltarife dieses Versicherungszweiges Beitragsrückerstattungen vorsehen, wenn keine Inanspruchnahme erfolgt ist. war man seit langem begierig zu erfahren, wie sich das in der Praxis auswirken würde. Die Einführung von Beitragsrückerstattungen steht ja auch im Rahmen der Auseinandersetzungen um die Reform der gesetzlichen Krankenversichering zur Debatte.

Der Verband der privaten Krankenversicherung hat dankenswerterweise eine entsprechende Stichprobenerhebung bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Danach entfielen 1960 im Durchschnitt aller Unternehmen nur 0,73 % der Versicherungsleistungen auf Beträge von 20 DM und weniger. Hingegen waren es bei einem großen Unternehmen, das keine Tarife mit Prämienrückvergütung kennt, 4,13 % der Leistungen. Bezogen auf Beträge bis zu 50 DM hatten alle Firnen knapp 4 % ihrer Leistung auf diese Größenordnung zu verwenden; das besagte Großunternehmen ohne Rückerstattungstarife hingegen über 16 %. Im Bereich der Leistungen zwischen 50 und 100 DM belief sich das Verhältnis auf 7,5 % zu 17 %.

Nach Angaben des Verbandes steigen die Durchschnittswerte der Beitragsrückerstattungsbeträge von Jahr zu Jahr an, woraus geschlossen werden kann, daß sich der Versicherungsschutz zumindest dann mehr und mehr auf Großschäden verlagert, wenn durch die Aussicht einer Rückvergütung die Übernahme der Bagatellschäden für den Versicherten lohnend wird. Wäre der Einwand stichhaltig, daß auf diese Weise ernste Krankheiten verschleppt werden, weil die rechtzeitige Konsultation des Arztes unterbleibt, dann müßten die Gesellschaften mit Beitragsrückvergütungstarifen prozentual mehr schwere Erkrankungen unter ihren Versicherten feststellen als diejenigen ohne Rückvergütungen. Nach vom Verband angestellten Einzelbeobachtungen ist das jedoch nicht der Fall.

Dafür macht die Entwicklung der Pro-Kopf beanspruchten Leistungen (der sogenannten „Kopfschäden“) um so deutlicher, daß die private Krankenversicherung (PKV) im gleichen Kostentrend liegt wie die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Sind die Leistungsausgaben (ohne Barleistungen) je Mitglied in den Ortskrankenkassen nach unseren Berechnungen von 1955 bis 1961 um fast 85 % gestiegen, so diejenigen der privaten Krankenversicherung um 63 %. Bei der etwas geringeren Steigerung in der PKV ist zu bedenken, daß diese im Wege der kostenbedingten Umgestaltung ihrer Tarife und der Um Versicherung ihrer Mitglieder der Kostenentwicklung mit einer gewissen Verzögerung folgt, während die GKV ihr trotz Beanspruchung sozial kalkulierter Honorare voll ausgesetzt ist.

Angesichts der Tatsache, daß heute bereits 80 % der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung betreut werden, würde sich die finanzielle Lage der GKV daher auch nicht verbessern, wenn man die Versicherungspflichtgrenze, die seit 1957 bei 660 DM Monatsentgelt (in Berlin bei 750 DM) liegt, abermals heraufsetzt, um den Kreis der Pflichtversicherten weiter zu ziehen. Erfahrungsgemäß steigen mit den Einkommen auch die Ansprüche der Erkrankten (ähnlich wie mit der Zahl der Ärzte die Morbidität steigt), wo hingegen der PKV durch einen weiteren Verlust an Mitgliedern der Risikoausgleich noch mehr erschwert werden würde, als es jetzt schon der Fall ist. -en