Letzte Woche diskutierte und informierte es so nahezu auf allen Kanälen, welchen Knopf der Gebührenzahler auch bediente: Er wurde als Staatsbürger traktiert, der sich mit dem fernöstlichen Kommunismus, dem Totalitätsanspruch der Kirchen, den Novitäten des technischen Zeitalters zu befassen hat. Dann war noch etwas Liszt, Telemann, Mozart und Politik zu absolvieren, und danach erst hatte man sich endlich zur dramatischen Lustbarkeit durchgebissen. Aber siehe da: da ging es richtig los, jetzt wurde der Bildschirm ganz und gar zum Tribunal, noch einmal ging Politisches und Moralisches vonstatten.

Stemmles Fernsehspiel „Affäre Blum“, nach Film, Roman und Theaterstück nun die vierte Zubereitung des Stoffes, bewährte auch im neuen Medium seine dramatisch-didaktische Unverwüstlichkeit, obwohl doch dieser deutsche Fall Dreyfuß seine Wirkung mehr aus der kriminalistischen Suche nach dem richtigen Mörder als aus dem unentwirrbaren Netz um den falschen und streckenweise also aus der reinen Detektivneugier lebt. Der Defa-Film von Engel, der am Vortage im Ostfernsehen zu besichtigen war, ist hitziger und aggressiver in Szene gesetzt als die Televisionsfassung von Stemmle selber, dessen kahlere und sozusagen lehrhaftere Inszenierung auf die Bedürfnisse des Bildschirms zugeschnitten war.

Stemmle hielt mit dieser pädagogischen Verarmung des Stoffes, diesem Kappen aller menschlichen Zutat, genau da ein, wo der Vorfall zum „Fall“ wird, an dem nur noch etwas demonstriert wird. Siegfried Lenz präsentierte mit seinem zweiteiligen Fernsehspiel „Zeit der Schuldlosen“ von vornherein nur noch eine Parabel, an der die verschiedenen Verhaltensweisen des Menschen unter der Diktatur in mathematischer Reinheit gleichsam ohne irritierende Berührungen mit einer konkreten Realität vorgeführt werden. Daß dieser ehrenhafte Versuch gründlich mißlang, lag nicht nur an der Abgenutztheit eines Schemas, das in unzähligen Stücken und Büchern verbraucht worden ist, bis hinunter zu jenen Filmen, in denen sich die Insassen eines Flugzeugs bei einem Unfall der Bewährung ausgesetzt sehen.

Das philosophische Modellstück, von der gesellschaftlichen und psychologischen Wirklichkeit abgeschnitten, lebt von der gedanklichen und sprachlichen Authentizität, und mit der war es hier so schlimm, so voraussehbar, so konstruiert bestellt, daß nach den ersten fünf Minuten der Ablauf der nächsten Stunden berechenbar war – wobei ganz beiseite gelassen sei, daß der gefolterte Widerstandskämpfer im Kerker Sätze zu sprechen hat wie „Es leben Millionen, deren Seufzer ich bis hierher höre“. Das dramaturgisch bis ins Detail ausgefeilte Stück ging auf geistigen und formaler Krücken, lupus