Ein lang gehegter Wunschtraum der Luftfahrer scheint mit dem Flymobil U 18, das zum erstenmal auf der diesjährigen Luftfahrtschau in Hannover-Langenhagen vorgeführt wurde, in Erfüllung gegangen zu sein. Es ist ein senkrecht startendes und landendes Flugzeug für zwei Personen, dessen Konstrukteure auf die herkömmlichen starren Tragflächen verzichteten und dem „Flugmobil“ rotierende Flügel gaben. So sieht das Flymobil fast wie ein Hubschrauber aus, besitzt jedoch neben dem Rotor, der den senkrechten Start und die senkrechte Landung ermöglicht, eine Druckschraube, die ihm, von einem 180-PS-Motor angetrieben, eine Reisegeschwindigkeit von 160 Kilometern in der Stunde verleiht. Ein übergroßes Drillingsseitenleitwerk gewährt, zusammen mit der Druckschraube, die nötige Stabilität im Geradeausflug. Die Ausgleichsschraube, wie sie am Heck jedes Hubschraubers zu sehen ist, wurde daher beim Flymobil überflüssig.

Das Flymobil ist aus Metall und verlangt nur geringe Wartung. Da seine Steuerungs- und Antriebsart einem Flächenflugzeug gleicht, genügt für seine Führung der Privatpilotenschein. Auf diese Feststellung legt der amerikanische Produzent großen Wert, weil ein Hubschrauberschein rund 10 000 Mark teurer ist als der Privatpilotenschein. Der Preis für das Flymobil liegt bei 50 000 Mark, das ist etwa die Hälfte des billigsten zweisitzigen Hubschraubers. Dieses neuartige „Flugauto“ ist seit September 1961 von der amerikanischen Luftfahrtbehörde für den Verkehr zugelassen und wird schon in Serien produziert.

Doch wie sieht es aus, wenn man sich in der Bundesrepublik dieses sensationelle Flugzeug anschafft? Der amerikanische Produzent schreibt in seinem Prospekt sehr verlockend: „Kein Flugplatz notwendig!“ Das gilt aber nur in Amerika. Dort hat sich das Flugzeug zuerst als Luftauto für Vertreter von landwirtschaftlichen Maschinen eingeführt; es machte den Vertretern die Arbeit leichter, weit auseinanderliegende Farmen zu besuchen. In der Bundesrepublik ist es etwas anders.

Ob Senkrechtstarter oder nicht – hierzulande dürfen Luftfahrtzeuge nur auf behördlich zugelassenen Landeplätzen landen und starten. Wohl hat das Land Rheinland-Pfalz als einziges Land der Bundesrepublik diese scharfe Bestimmung über die Erteilung von Außenlande-Genehmigungen neuerdings durchbrochen und für Hubschrauber, das heißt für senkrecht startende und landende Luftfahrtzeuge, eine neue Bestimmung geschaffen. Sie dürfen danach an jedem nach ihrem Ermessen geeigneten Platz ohne behördliche Genehmigung landen und starten. Diese für deutsche Verhältnisse „revolutionäre“ Verordnung hat aber andere Bundesländer veranlaßt, zu protestieren.

Dennoch scheinen sich, wie ein Vertreter der Hamburger Luftfahrtbehörde meint, die Aussichten für senkrecht startende und landende Luftfahrtzeugbesitzer zu verbessern. In Zukunft würden die Behörden großzügig Genehmigungen zur Errichtung eines Landeplatzes neben dem Haus erteilen, falls dadurch andere Menschen nicht sonderlich belästigt würden. Will ein Besitzer eines solchen Luftfahrtzeuges allerdings jemanden besuchen, der über einen solchen behördlich zugelassenen Platz an seinem Hause nicht verfügt, muß er erst bei der entsprechenden Landesregierung einen Antrag auf die Erteilung einer Außenlandegenehmigung stellen, um etwa auf einer Wiese neben dem Haus niederzugehen.

Immerhin, die Anschaffung eines senkrecht startenden Flugzeuges mag manchem flugbegeisterten Bundesrepublikaner reizvoll und interessant erscheinen; es gibt schon 32 Privatbesitzer von Hubschraubern. Während die Erteilung einer Außenlandegenehmigung für ein Flächenflugzeug noch sehr schwierig ist und ihre Besitzer in den meisten Fällen auf einen nahegelegenen Flugplatz angewiesen sind, könnte der Senkrechtstarter leichter, wenn auch nicht überall, direkt am Hause landen und starten. Die Generalvertretung des amerikanischen „Flugautos“ in Köln, die mit den bisher abgeschlossenen Kaufverträgen sehr zufrieden ist, hegt große Hoffnungen. J. P.