Das Gerät macht sich den Doppler-Effekt zunutze, der nichts mit „doppelt“ zu tun hat, sondern nach dem Physiker Doppler so benannt ist. Dopplers Erkenntnis besagt – soweit es hier interessiert – daß eine elektromagnetische (Radio-)welle, die von einem bewegten Gegenstand reflektiert wird, bei dieser Gelegenheit ihre Wellenlänge ändert, und zwar um so mehr, je schneller sich der Gegenstand bewegt.

In die Straßenpraxis übertragen heißt das: Die Antenne des Radarwagens sendet, in scharf gebündeltem Strahl, 3-cm-Wellen aus. Ein Auto, das in den Strahl kommt, wirft einen Teil davon in die Antenne zurück – mit mehr oder minder veränderter Wellenlänge, je nach Geschwindigkeit. Das Gerät mißt elektronisch die Veränderung und „weiß“ sofort, wie schnell das Auto war.

Ein simples Prinzip also, scheinbar unfehlbar, zumal auch die technische Ausführung des Gerätes ungemein solide und so gestaltet ist, daß auch ein Beamter mit mäßigem technischen Verständnis es bedienen kann. Er muß nur aufpassen, daß der Strahl die Straße im richtigen Winkel schneidet, und er muß darauf achten, daß bei einer Messung nicht etwa zwei Fahrzeuge im Strahl sind – weil dabei ein undefinierbares Mischmasch-Ergebnis herauskommt. Doch dies vorausgesetzt, und das ist wahrlich nicht viel, kann eigentlich nichts schiefgehen. Dachte man.

So standen bald Radarwagen in steigender Zahl an den deutschen Straßen, vielfach als „Fallen“ beschimpft, aber als unfehlbar akzeptiert. Wer mit Radar geschnappt wurde, mißtraute eher seinen Augen, als dem Radargerät. Die wenigen, die sich, von ihrer Unschuld überzeugt, zur Wehr setzten, wurden vor Gericht abgeschmettert. Und wenn es wirklich mal einer fertigbrachte, ein technisches Gutachten beizubringen, das Zweifel an der Radarmessung begründete, dann wurde das Verfahren regelmäßig eingestellt – Wert oder Unwert der Radarmessungen blieb ungeklärt.

Bis schließlich im westfälischen Brackwede ein Lastwagen von einem Verkehrsradar gemessen wurde, mit 96 km/h. Das Gerät war in Ordnung, es war richtig aufgestellt, kein zweites Fahrzeug war im Strahl – und doch war die Messung falsch. Der lahme Motor des Wagens gab nämlich nur 72 km/h her, das ließ sich einwandfrei beweisen.

Der Fall Brackwede gab mir den letzten Anstoß, die Qualität der Radarmessungen gründlich zu untersuchen.

Am zweckmäßigsten schien es, den Mann zu befragen, der von Staats wegen die Geräte zum Gebrauch zugelassen hatte: den Regierungsrat Dr. Sehr euer von der Physikalisch-technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Das Gespräch ergab,

  • daß der Radarstrahl nicht nur von metallischen, sondern von allen möglichen Gegenständen reflektiert werden kann, bis hinunter zur Schwalbe, die durch den Strahl fliegt
  • daß schwingende Flächen oder drehende Räder ebenfalls Messungen auslösen können,
  • daß der Strahl von irgendwelchen Reflektoren (Arztschild, parkender Wagen, Metalltor usw.) in andere Richtung gelenkt werden kann; die Folge: Es können Fahrzeuge Messungen auslösen oder verfälschen, die der beobachtende Beamte niemals im Strahl vermutet,
  • daß der Radarstrahl unter Umständen nicht den Weg Antenne – Auto Antenne beschreibt, sondern einen Umweg: Antenne – Auto – Reflektor am Straßenrand – Auto – Antenne. Dabei trifft er das Auto zweimal, die Wellenlänge wird zweimal verändert, und das Gerät zeigt eine zu hohe Geschwindigkeit an.