Noch gibt es Ehrenämter im Sport – aber bleiben sie?

Als nach den letzten Olympischen Spielen ein deutsches Sportgericht auch Armin Hary den Prozeß machte, lautete einer der Anklagepunkte, der Olympiasieger habe die Sportführer durch die Bezeichnung „Funktionäre“ beleidigt. Der Anwalt des eigenwilligen Sprinters, der einzige Jurist in dem Gremium, bemühte damals die Etymologie, um nachzuweisen, daß mit dem Abdruck „Funktionär“ natürlich nur eine Tätigkeitsbezeichnung ohne jede herabsetzende Absicht gemeint war.

Aber nicht selten schwingt eben doch bei den Wort „Funktionär“ dieser abfällige Unterton mi:, der, wie man glaubt, Leuten gebühre, die sich zum Sklaven einer Funktion machen ließen. Auch in diesen Spalten wurde vor einiger Zeit von unserem englischen Mitarbeiter, den der heilige Zorn gepackt hatte, eine heftige Attacke gegen das Funktionärswesen oder -unwesen im Sport geritten. Einmal gebrauchte unser Autor sogar des außer Mode gekommene Wort „Bonzen“, wodurch er sich als intimer Kenner der Sport-Verhältnisse der Weimarer Republik auswies. Schon damals – als Mitglied einer Weltrekord-Staffel – führte er seine Fehden mit spitzer Feder gegen die deutsche Sport-Obrigkeit, von der er glaubte, daß sie ein typisches Symptom mangelnder demokratischer Tradition sei. Tatsächlich nannte sich der deutsche Leichtathletikverband bis1933 Sportbehörde, eine Bezeichnung, die noch aus der Kaiserzeit stammte und damals vielleicht deshalb geduldet wurde, weil sie so nach Zucht und Ordnung klang.

Der kalte Krieg zwischen den „Aktiven“ und den „Funktionären“ ist so alt wie der Sport. Es ist der ewige Gegensatz zwischen dem tätigen Menschen und jenem, der ihn dirigiert, ohne sich der gleichen Anstrengung oder der gleichen Gefahr auszusetzen. Er entspringt jener latenten Gruppen-Antipathie, die der Sportler mit dem Arbeiter, dem Soldaten und sogar dem Künstler gemeinsam hat. Der „Kampf“ gegen die Funktionäre entbrannte seit jeher bei den Leichtathleten am heftigsten, und hier waren es wieder die sensiblen und temperamentvollen Läufer der kurzen und mittleren Strecke, die besonders gern gegen den Stachel lockten und manchmal sogar auf die Barrikaden stiegen. Die „introvertierten“ Ausdauer-Sportler oder die schwergewichtigen Leute waren kaum einmal unter den „Revoluzzern“ zu finden, die meistens aus der Rheingegend kamen oder aber aus Berlin.

Es ging fast immer darum, daß einzelne Sportler sich dagegen verwahrten und mit der Presse verbündeten, weil, wie sie glaubten, die Funktionäre in einem unzulässigen Maße in ihre persönliche Entscheidungsfreiheit eingriffen.

Nun haben gerade die Verlockungen, mit denen das Schaugeschäft immer wieder an hervorragende Sportler herantritt, eine straffe Führung von oben notwendig gemacht, die manchmal, mehr notgedrungen, autoritäre Züge aufweist. Wenn Weltrekordläufer Karl Kaufmann eine Südafrikatournee abschließt, wo er bald als Schlagersänger, bald als Läufer auftreten wollte, kann man dem Leichtathletikverband nur zustimmen, wenn er eine solche Schaustellung unterbunden hat. Es wurde geschrieben, „Charly“ Kaufmanns Beruf sei es nun einmal, Schlager zu singen, und man könnte ihm die Berufsausübung billigerweise nicht untersagen. Tatsächlich ist er aber Sportlehrer, der zwar eine Gesangsausbildung hinter sich gebracht hat, aber Leute, die etwas verstehen, meinen, daß er ohne seine Popularität als Sportler nie ein. Engagement bekäme. Das Gold sitzt bei ihm offenkundig in den Beinen und nicht in der Kehle, und es über diesen Umweg zu mobilisieren, verbieten nun die bösen Funktionäre.

Große Reisen als Entschädigung