Die Bank für Gemeinwirtschaft AG ist schon lange aus der Stellung einer Hausbank der Gewerkschaft herausgewachsen. Sie ist eine Geschäftsbank, die sich ihre Kundschaft in allen Bereichen sucht. Weit über die Hälfte der von ihr herausgelegten Kredite wurde an Wirtschaftsunternehmen gegeben. Von den fremden Mitteln, die in der Bank arbeiten, stammen nur noch etwa 14 % aus dem gemein wirtschaftlichen Bereich, vor allem also von Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften. Dennoch darf man die Rolle dieser Institutionen für die Geschäftstätigkeit der Bank nicht unterschätzen.

Ein Blick in die Bilanz zeigt gegenüber der anderer Kreditinstitute insofern einen bemerkenswerten Unterschied, als die aufgenommenen langfristigen Darlehen mit mehr als einer halben Milliarde erheblich höher sind als die langfristigen Ausleihungen von 330 Mill. In der Regel ist das Verhältnis umgekehrt, d.h. die langfristigen Ausleihungen übersteigen um etwas die aufgenommenen langfristigen Darlehen. Die Gemeinwirtschaftsbank macht also, um im Fachjargon zu sprechen, in einem erheblichen Umfange aus lang kurz, wofür sie in erster Linie Gelder einsetzt, die sie bei Kapitalsammelstellen aufgenommen hat. Die verbleibende Differenz von etwa 330 Mill. stammt mit etwa 125 Mill. von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und mit rd. 200 Mill. von den Gewerkschaften. Diese überlassen einen Teil ihres Vermögens ihrer Bank langfristig, und lassen es nicht zuletzt in der Wirtschaft arbeiten. Bei der Gemeinwirtschaftsbank hofft man, daß dieser Posten sich von Jahr zu Jahr erhöht und dem Institut damit die Möglichkeit verschafft, mittleren Unternehmen in größerem Umfange Kredite mit einer Laufzeit von 10 – 12 Jahren auch dann einzuräumen, wenn sie Grundpfandrechte nicht anzubieten vermögen. Die Gemeinwirtschaftsbank beabsichtigt also, in ihrem Bereich den langfristigen Personalkredit stärker zu pflegen. Hierzu geben ihr die Gewerkschaften mit ihren großen Vermögen eine Handhabe, zumindest einen Ausgangspunkt.

Nun ist das Institut keineswegs an einer einmaligen Geschäftsbeziehung interessiert. Es erwartet vielmehr, daß das Unternehmen, dem es einen langfristigen Kredit einräumt, auch laufend mit ihm zusammenarbeitet, bei ihm Einlagen unterhält u.a.m. An einer Verstärkung der Einlagen aber muß der Bank gelegen sein; diese haben nämlich im letzten Jahr nicht im gleichen Maße expandiert wie das Kreditvolumen, das von 1,6 auf rd. 2 Mrd. gestiegen ist. Die Gemeinwirtschaftsbank stand deshalb vor der Notwendigkeit, in einem verstärkten Maße Bankengelder aufzunehmen. Die Nostroverpflichtungen sind im Berichtsjahr von 368 auf 567 Mill., also um rd. 200 Mill. angewachsen. Ein Teil dieser Mittel dürfte von Realkreditinstituten stammen, die ihren Liquiditätsüberhang, d.h. die sog. Ersatzdeckung, mit großen Teilen den Geschäftsbanken, so auch der Gemeinwirtschaftsbank, vor allem für Zwecke der Bauzwischenfinanzierung zur Verfügung stellen. Bei dem Institut sind die Ausleihungen zur Förderung des Wohnungsbaues um rd. 100 Mill. auf weit über 300 Mill. angestiegen. Ihr Anteil am Kreditvolumen beträgt nunmehr über 15 %. Der private Kreditnehmer, vor allem also der kleine Mann, ist keineswegs der Hauptkunde der Gemeinwirtschaftsbank, vielmehr fallen etwa 70 % des Kreditvolumens auf Großkredite. Der Kleinkredit läuft bei dem Institut, obwohl man ihm sicher viel Beachtung entgegenbringt, am Rande mit, genau so, wie umgekehrt die Spareinlagen, die mit 172 Mill. sicher einen beachtlichen Betrag darstellen, keineswegs als ein Maximum angesehen werden können. Hier möchte die Bank aktiver werden, ohne sich in den sich in Filialgründungen auswirkenden Wettbewerb mit den Großbanken und Sparkassen zu begeben. Die Bank will sich etwas anderes einfallen lassen; es bestehen bereits bestimmte Vorstellungen, über die sie sich aber noch nicht äußert.

Hauptziel der Geschäftspolitik der Gemeinwirtschaftsbank ist im Augenblick ein stärkeres Hineingehen in das Geschäft mit der mittelständischen Wirtschaft, jedenfalls ist die Epoche der Expansion noch nicht abgebrochen. Das Bilanzvolumen hat sich vielmehr im zurückliegenden Jahr beträchtlich, nämlich von 2,5 auf 3 Mrd. erhöht. Hierzu aber stehen die eigenen Mittel der Bank in keinem gesunden Verhältnis. Sie werden deshalb erhöht und zwar um 10 Mill. durch eine Kapitalaufstockung und durch ein genehmigtes Kapital von 15 Mill. Ist das erst alles über die Bühne gegangen, dann wird das Grundkapital 100 Mill. betragen, wozu noch die Rücklagen in Höhe von 35 Mill. kommen. Sie wurden durch Zuweisungen von 5 Mill. aus den versteuerten Erträgnissen gegenüber Ende 1960 erhöht. Aus dem verbleibenden Reingewinn wird eine Dividende von 6 % und ein Bonus von 4 % bezahlt. Das beansprucht 7,5 Mill. Dieser Betrag wird also über die Kapitalerhöhung restlos der Bank wieder zufließen. Warum so umständlich, wird der Außenstehende fragen. Die Antwort: steuerlich stehen sich die Bank und ihre Aktionäre so am besten.

W. R.

Die Berlinische Feuerversicherungsanstalt ist mit dem Abschluß für 1961 in das 150. Jahr ihrer Tätigkeit getreten. Seitdem sie am 11. 12. 1812 auf Grund eines von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erteilten Privilegs als Aktiengesellschaft in Berlin gegründet wurde, besteht sie in unveränderter Rechtsform und unter der alten Firma bis heute. Der Hauptsitz der Anstalt befindet sich jetzt in München. Betrieben werden sämtliche Zweige der Sachversicherung. Es werden wieder 16 % Dividende vorgeschlagen. Die auf Aktien Lit. T ausstehende Einzahlung wird einberufen, um die Anteilsrechte zu vereinheitlichen und die aus Anlaß des Jubiläums erfolgende Ausgabe von Gratisaktien im Verhältnis 9:1 zu vereinfachen. Sie wird der HV am 1. 6. 1962 unter Erhöhung des Grundkapitals um 0,6 auf 5,6 Mill. DM vorgeschlagen; je 3 Aktien zu 60 DM sollen in 2 Stück zu 100 DM umgetauscht und für je 9 Aktien zu 100 DM eine gleichartige ausgegeben werden. Ga.