Erlebt das deutsche Tennis eine neue Glanzzeit?

Von Heinz Maegerlein

Die deutsche Davispokalmannschaft hat erwartungsgemäß die Rumänen am Wochenende In Hannover geschlagen und steht damit nach dem glücklichen Sieg über Spanien in Madrid und dem überlegenen über Rumänien in Hannover in der dritten Runde der Europazone, in der in den Tagen vom 15.–17. Juni in Berlin Südafrika der Gegner sein wird.

Gewiß waren Ion Tiriac und Constantin Nastase in Hannover keine Gegner unserer jungen und doch schon so erfahrenen Mannschaft, die gültige Aufschlüsse über das Können von Ingo Buding, Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke geben könnten. Aber diese Aufschlüsse brauchten wir ja auch nicht. Die Zeiten in denen das deutsche Herrentennis international überhaupt nicht zählte, die Zeiten in denen selbst die deutschen Spitzenspieler in jedem internationalen Turnier nur die Teilnehmerlisten füllten, spätestens von der zweiten Runde ab aber nur noch außerhalb der weißen Linien zu sehen waren, sind ja nun doch schon einige Jahre lang vorbei. Bungert und Kuhnke haben selbst in Australien einen guten Eindruck hinterlassen, sehr gute australische Spieler sogar in deren Land geschlagen, und es bedeutet keine Überheblichkeit, wenn wir jetzt, im Frühsommer 1962 feststellen, daß zumindest unsere drei besten, Buding, Bungert und Kuhnke eine Gefahr für jeden europäischen Spieler bedeuten. Die Aschenbrödelrolle, zu der unsere Damen ja niemals verurteilt waren, die unsere Herren aber nach dem Abtreten von Gottfried von Cramm fast ein Jahrzehnt lang spielen mußten, liegt hinter uns.

Vor dem Durchbruch zur Weltklasse

Wir wissen es nicht erst seit den ersten Spielen der neuen Davispokalrunde; wir wußten es allerspätestens im letzten Sommer, als sich Pietrangeli und Sirola bei der Davispokalbegegnung in München einer so starken deutschen Mannschaft gegenüber sahen, daß sie erst mit viel Glück und unter Hergabe der letzten Kräfte und all ihrer großen Routine eine Runde weiterkamen – sie, die doch sogar die USA bezwungen hatten und das Finale gegen Australien im Jahr zuvor bestritten hatten!

Nun führte man damals hier und da ins Feld, daß die Italiener den Kampf zu leicht genommen hätten, und daß das knappe Ergebnis dem wahren Kräfteverhältnis nicht entspräche. Inzwischen aber haben unsere Spieler auf zahlreichen internationalen Turnieren bewiesen, daß sie wirklich wieder mitsprechen können, und Tennisexperten in ganz Europa bezeichnen unsere Davispokalmannschaft sogar als die zukunftsreichste unseres Kontinents.