DIE ZEIT

Herausforderung in Hongkong

Seit Anfang Mai spielen sich an der Grenze zwischen Rotchina und der britischen Kronkolonie Hongkong Szenen von peinlicher Tragik ab.

Absage an Charles de Gaulle

Er spricht so wunderbar und er wirft mit Generationen und Kontinenten auf eine so selbstverständliche Weise um sich, daß es nicht immer möglich ist, sich ganz klar darüber zu sein, was er wirklich meint.

Der laotische Knoten

Manchmal will es einem so vorkommen, als würden auf der weltpolitischen Drehbühne heute zur gleichen Zeit zwei Stücke aufgeführt: auf dem Berliner Schauplatz das große Drama der Ost-West-Auseinandersetzung, im Dschungel von Laos ein zur Farce abgewandeltes Musical gleichen Titels.

Verpuffter Warnschuß

Nun sind also die Autozölle für Wagen über 800 ccm Hubraum doch um die Hälfte gesenkt worden; die Bonner VW-Groteske ist zunächst beendet.

Skandal am Potomac

Geld stinkt manchmal doch – in diesem Fall nach Ammoniak-Anhydrit, einem Düngemittel. Der Mann, der im Mittelpunkt der Duftwolke steht, ist Hauptperson im ersten großen Korruptionsskandal der Kennedy-Regierung: Billie Sol Estes.

Krise um de Gaulle

Zum sechzehntenmal ist General de Gaulle in der französischen Provinz von Kirchturm zu Kirchturm geeilt, um das Füllhorn seiner elyseeischen Beredsamkeit über die Gläubigen auszugießen.

Peers wider Willen

Jeder Brite weiß es: das Oberhaus ist ein Anachronismus. Aber das Oberhaus zu reformieren, geschweige denn, es abzuschaffen – dazu ist vorläufig niemand bereit.

Zeitspiegel

„In diesem Augenblick heulten alle Schiffssirenen auf. Die Repräsentanten der evangelischen und der katholischen Kirche schlossen sich an, und dann hatten auch viele Ehrengäste Gelegenheit, die drei Hammerschläge zu tun.

wer....was....wo....warum....

Die Sozialdemokraten verweigerten dem Gesetz ihre Zustimmung. Ihr Argument – es sei nicht die Aufgabe der Wirtschaftspolitik, von „oben her“ die Konjunktur zu dämpfen – deutet einen staunenswerten Gesinnungswandel bei der Opposition an.

Geheimverfahren

Hinter verschlossenen Türen hat das sogenannte Oberste Gericht in Ostberlin Heinz Brandt, den am 16. Juni 1961 aus Westberlin verschleppten Gewerkschaftsfunktionär, zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der Fall Kilb wird zum Fall Becker

Vor dem Untersuchungsausschuß des Düsseldorfer Landtages in Sachen „Kilb-Affäre“ sagte der Bonner Landgerichtspräsident Dr. Becker kürzlich aus, der nordrhein-westfälische Justizminister Flehinghaus habe ihn, Becker, in seine Wohnung geholt und dort mit ihm erörtert, ob nicht die Zustellung des Einstellungsbeschlusses im Verfahren Kilb an.

Bulgarisches Gastspiel

Chruschtschows Besuch in Bulgarien – der dritte seit 1955 – war weit mehr als ein Höflichkeitsbesuch. Dies wurde schon an der Zusammensetzung der sowjetischen Delegation deutlich.

Ein Kandidat für Downing Street

Sogar Jo Grimond, der Führer der englischen Liberalen, war auf diesen Sieg nicht gefaßt: Im traditionell konversativen Wahlkreis von Orpington hatte sein Parteifreund Eric Lubboc im März die Nachwahl gewonnen und als siebter Abgeordneter der Liberalen ins Unterhaus einziehen könnten! Jo Grimond staunte; und dieses Staunen, von Millionen Menschen am Fernsehen beobachtet, wirkte echt; es war fast rührend.

Haben wir eine Opposition?

Die SPD hat es schwer mit ihren Kritikern. Früher hieß der Vorwurf gegen die Sozialdemokratie in der Bundesrepublik, sie betreibe Opposition um jeden Preis, Heute, nachdem die SPD ihren Deutschlandplan begraben und ihr Programm vom Marxismus gereinigt hat, lautet der Vorwurf, sie habe keine Alternative mehr zu bieten, sie erfülle nicht mehr ihre Pflicht als Opposition.

Ein Toter gleich 10 Minuten Gefängnis?

Rund 5 200 Deutsche, die während des Dritten Reiches im Dienste Hitlers und Himmlers mordeten und folterten, sind bisher von den Gerichten der Bundesrepublik verurteilt worden.

Hamburg: Doch wieder Ostprogramme

Einige Monate nach dem Bau der Berliner Mauer hatte der Hamburger Verlag Axel Springer zahlreichen Zeitungs- und Zeitschriftenhändlern, die auch die Blätter der Springer-Presse vertreiben, ein Rundschreiben geschickt.

Bremen: Es blieb alles beim alten

Jener christlich-demokratische Parteitagsdelegierte, der kürtlich in Bremen für sich und seine Freunde mit idealistischem Schwung die „Freiheit der Wahl“ forderte, bewies, wie wenig er die internen Schwierigkeiten der Bremer CDU begriffen hatte.

Nachts ist sein Kopf beleuchtet...

Ich ging in eine Telephonzelle und sah nach, ob sein Name vielleicht im Telephonbuch stand. „Dietrich Laubenthal“ stand da, und er hatte eine vierziger Nummer, und seine Wohnung war höchstens fünf Minuten von der Apotheke entfernt.

Wer rettet den deutschen Film?

Die deutsche Nachkriegsliteratur hat sich auch außerhalb Deutschlands durchgesetzt. Das hat sich zwar noch nicht überall in Deutschland herumgesprochen, aber es ist so: Heinrich Bölls Gesamtauflage hat die Millionengrenze erreicht; Günter Graß feierte in Frankreich Triumphe; Uwe Johnson durfte zehntausend Dollar als Preis des Internationalen Verlegerverbandes in Empfang nehmen; Siegfried Lenz’ „Zeit der Schuldlosen“ geht über die Bühnen von Stockholm bis Tel Aviv.

Mein Bild

Es ist das Porträt meiner Tochter Corinna. Sie ist acht Jahre alt. Professor Gustav Seitz, Lehrer an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, hat die Plastik im vorigen Sommer gemacht, und ich erhielt sie als Geschenk meiner Frau und meiner Tochter zu meinem sechzigsten Geburtstag.

Kleiner Kunstkalender

Von den beiden einzigen skandinavischen Künstlern, die in der neueren europäischen Malerei eine Rolle gespielt haben, ist der eine, Edvard Munch, immer mehr ins Licht und der andere, Anders Zorn, immer mehr ins Dunkel getreten.

Robert Neumann:: Meine Freunde, die Kollegen

Da nun einmal von Ludwig die Rede ist: wir kamen damals in Ascona auf Thomas Mann zu sprechen. Ludwig sagte: „Ein Nichtskönner, ein einziger, großer Bluff! Sein sogenannter Ruhm wird zerplatzen wie eine Seifenblase.

Zeitmosaik

Das Problem unserer Zeit ist nicht eins des Gewissens und Engagements – das Problem, warum Menschen in Kriegen für oder gegen den Kommunismus oder Faschismus zu sterben willens sind.

Der Küchenmann

Das erste Restaurant am Platze beschäftigte Küchenmänner, wie es Mode geworden war. Ein Team von Spülmännern. Das Schwarzgeschirr reinigte ein Halbidiot, das Privileg auf das Silber hatte der, der am längsten hier war, die Gläser und Kristalle spülte der mit den schmälsten Händen, und so fiel das Tellergeschirr dem Neuen zu.

Das Leben taugte ihm nur noch zur Parodie

Vor Ludwig Wittgensteins „Philosophischen Untersuchungen“, in denen die Metaphysik vor der Unergründlichkeit des Diesseits abdankt, steht ein Motto, welches mit dem Buch selbst so wenig zusammenzuhängen scheint, daß es mehr wie ein unerwartetes Bekenntnis dieses menschlich verschlossensten aller Denker wirkt: „Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß er viel größer ausschaut, als er wirklich ist.

Hüben und drüben: Tatsachen

Die in Ostberlin erscheinende Wochenzeitung „Sonntag“ tadelt in ihrer Nummer vom 22.........................................

...denn sie wissen nicht, was sie konsumieren

Luise Rinser meint es ernst. Sie ist nicht bemüht, dem Leser Zerstreuung zu bieten oder ihn aus der Fassung zu bringen. Sie will weder verblüffen noch provozieren.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT, weil Tschechows scheinbar schlichte Erzählungen zu jener gesellschaftskritischen Literatur gehören, die ihren Wert auch dann nicht einbüßt, wenn der Gegenstand der Kritik – in diesem Fall die Gesellschaft des zaristischen Rußlands – längst nicht mehr existiert.

Verse einer Überlebenden

Bücher, die man liebt, soll man loben, so verlangt es der Kritikerbrauch; und vor lauter sprühender, rühmender Rezension kann es dem Leser passieren, daß er nicht mehr das gelobte Buch sieht, sondern nur den Kritiker, der sich in verständlicher Emphase vor das Werk gestellt hat.

Geschichten als Spielzeuge

Bevor Erzählungsbände an die Öffentlichkeit treten, haben die in ihnen versammelten Erzählungen oft schon ihr Debüt gehabt. Vor Monaten oder Jahren ist man ihnen in einer Zeitung oder literarischen Revue begegnet.

Fernsehen: Bildschirm als Tribunal

Letzte Woche diskutierte und informierte es so nahezu auf allen Kanälen, welchen Knopf der Gebührenzahler auch bediente: Er wurde als Staatsbürger traktiert, der sich mit dem fernöstlichen Kommunismus, dem Totalitätsanspruch der Kirchen, den Novitäten des technischen Zeitalters zu befassen hat.

Funk

Jean Tardieu, französischer Lyriker und Dramatiker, ist in Deutschland mehr genannt als bekannt. Im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks schrieb er zwei Kurzhörspiele, die in der Sendereihe „Das Hörspiel der Avantgarde“ gebracht wurden.

Theater

Der Hochschulprofessor und Leiter des Berliner Philharmonischen Chores Hans Chemin-Petit hat – auf anderem Wege als Alban Berg mit seiner „Lulu“-Vertonung – „erreicht, daß Wedekind wieder eine Aktualität des lebendigen Theaters geworden ist.

Film

„Der Außenseiter“ (USA; Verleih: Universal): Erst nach überlanger Exposition, die Frontgeschehen im 08/15-Stil simplifiziert, findet dieser Film zu seinem Thema, der Geschichte eines schüchternen Indianers, der wider Willen zum Kriegshelden gemacht wird und an dieser Zumutung zerbricht.

Ein guter Schritt in rechter Richtung

Die Internationale Handelskammer hat soeben dem Komitee für Entwicklungshilfe der OECD eine Stellungnahme unterbreitet, die sich zum Problem der Versicherung privater Investitionen im Ausland gegen nicht-kommerzielle Risiken äußert.

Hoffnung auf den „schwarzen Plan“

Es hat schon lebhaftere Bundestagssitzungen gegeben als die Energiedebatte, die in der vergangenen Woche vor einem lustlosen und recht schmal besetzten Plenum in Bonn abrollte.

Der Bonner Sozial-Fahrplan

Mit der auf den nächsten Monat vertagten Debatte über die sozialpolitischen Pläne der Bundesregierung ist die Aussicht gestiegen, daß Bundesarbeitsminister Blank sein beharrliches Schweigen aufgibt und zumindest in groben Umrissen bald zu erkennen gibt, wie er sich den weiteren Ablauf der sozialpolitischen Gesetzgebung vorstellt.

Steuergeschenke – in Scheiben serviert

Im Verlaufe der letzten dreißig Monate – so lange stehen ja bereits wieder restriktive Maßnahmen zur Diskussion – sind der Öffentlichkeit zahlreiche Memoranden über die konjunkturpolitischen Erfordernisse vorgelegt worden.

Erhards Zoll-„Stock“

Sobald in der Vergangenheit der Ruf nach „aktiver“ Konjunkturpolitik erschallte, pflegte aus Bonn stets das stereotype Echo zu kommen, der Instrumentenkasten zur Bekämpfung konjunktureller Übersteigerungen sei so gut wie leer.

Neun Milliarden auf Pump

Ratenkauf und Sparen, so möchte man meinen, haben nichts gemeinsam. Und doch erfreut sich der Kauf auf Kredit erfahrungsgemäß besonders dann einer lebhaften Vorliebe, wenn gleichzeitig die Spartätigkeit zunimmt.

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