LÜBECK (Behnhaus): „Anders Zorn“

Von den beiden einzigen skandinavischen Künstlern, die in der neueren europäischen Malerei eine Rolle gespielt haben, ist der eine, Edvard Munch, immer mehr ins Licht und der andere, Anders Zorn, immer mehr ins Dunkel getreten. Schweden feierte 1960 den 100. Geburtstag von Anders Zorn mit mehreren Ausstellungen. Außerhalb seiner Heimat kennt man eigentlich nur noch seine großartigen Radierungen, die regelmäßig am Ende jeder größeren Graphikauktion unterm Buchstaben Z auftauchen. Jetzt zeigt Lübeck, das auf enge kulturelle Beziehungen zu Skandinavien besonderen Wert legt, eine Auswahl aus dem Gesamtwert Zorn, nur drei Jahre älter als Munch, war alles andere als ein Revolutionär. Sein solider, harter, handfester Realismus wird in den Pariser Jahren, zwischen 1888 und 1896, aufgelockert und impressionistisch geschmeidig. Seine schönsten Bilder hat er in Paris gemalt, herrliche Porträts, die zwischen Manet und Liebermann stehen und sich zwischen beiden behaupten. Das Bildnis „Antonin Proust” ist in noblem Braun gemalt, kein psychologisches Porträt, aber der Maler, Sohn eines schwedischen Bauernmädchens und eines fränkischen Bierbrauers, unter Bauern aufgewachsen, bringt die spirituelle, überkultivierte Pariser Aura ins Bild, als ob er in diesem Milieu zu Hause wäre. Außerdem sieht man Proben seiner umfangreichen bildhauerischen Produktion, kleine Bronzen, die gleichzeitig an Rodin und antike Figuren erinnern, und neben den bekannten Radierungen brillante Zeichnungen. – Die Ausstellung dauert bis zum 17. Juni.

KÖLN (Dom-Galerie): „Von Braque bis de Stael“

Unter den vielen deutschen Privatgalerien hat in den letzten Jahren keine mit einem so glanzvollen Aufgebot internationaler Prominenz begonnen wie die Kölner Dom-Galerie. Bilder der Ecole de Paris: ein Vollard-Porträt von Bonnard, das berühmte Guillaume-Porträt von Modigliani, drei Bilder von Braque, charakteristische Beispiele cus drei Epochen (1908, 1924, 1938), „Alpenveilchen” von Matisse, eine „Gerichtsverhandlung“ von Rouault, ein früher Chagall, weiter Picasso, Marquet, Vuillard, Vlaminck, Utrillo, ein Aquarell von Duty, eine Landschaft von de Stael. Die Bilder, von der Galerie Charpentier übernommen, sind in Deutschland noch nicht gezeigt worden. Die Zusammenarbeit mit dieser renommierten Pariser Galerie wird auch in Zukunft das Ausstellungsprogramm der Kölner Galerie bestimmen. g. s.