Eben standen noch solche Lappalien wie Atomversuche, Abrüstung, Algerien im Vordergrund – nun aber wird es wirklich interessant: im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stehe ich!

„Ebert – ein Gattenmörder?“, „Wo war Ebert am 17. April?“, „Ebert leugnet noch immer‘‚ „Ebert wird nervös!“ lauten die Schlagzeilen. Durch unzählige Photos – manchmal halte ich aus angeborener Bescheidenheit eine Maope vors Gesicht – und durchs Fernsehen wird mein Anblick Millionen von Menschen so vertraut wie der Brigitte Bardots, und an Tausenden von Plätzen diskutiert man darüber, ob mir so ein Mord zuzutrauen sei, was von den meisten – dieser brutale, hinterhältige Gesichtsausdruck! – bejaht wird Andere wieder beklagen das Los meiner Frau – das würde sie so gern hören! –, mit einem solches Menschen verheiratet gewesen zu sein.

In der Voruntersuchung und im folgenden Prozeß leugne ich hartnäckig die Tat, und man hält mich darum für verstockt. Man muß die Anklage auf Indizien aufbauen, aber diese sprechen durchaus gegen mich. Schon meine Biographie ergibt ein ziemlich fragwürdiges Charakterbild.

Daß ich also einmal ein Gattenmörder werden würde, das kann man schon an meiner Kindhei: ablesen – vor allem an der grausamen Art, wie ich mit meinen Eltern umgesprungen bin, wovon das Gericht durch Lisa, unser damaliges Kindermädchen, erfährt. Ich habe die alte Wachtel nie ausstehen können. Von einem ehemaligen Nachbarn hört man, daß ich als Knabe kaum Freunde hatte, weil ich so garstig war und den anderer immer ihre Schaukelpferde wegnahm.

Ich spüre, wie sich die Stimmung im Gerichtssaal immer heftiger gegen mich wendet. Aber das ist erst der Anfang!

Jetzt treten nämlich die früheren Freundinnen flüchtige Bekannte und jene Menschen, die ich bis dahin für meine Freunde gehalten habe, in der Zeugenstand. Da bekommen das Gericht und ich was zu hören!

Manche der Zeugen hatte ich ganz aus den Augen verloren, wußte ja gar nicht mehr, wo sie leben, ob sie leben. Wie interessant, sie wiederzusehen.