Die deutsche Nachkriegsliteratur hat sich auch außerhalb Deutschlands durchgesetzt. Das hat sich zwar noch nicht überall in Deutschland herumgesprochen, aber es ist so: Heinrich Bölls Gesamtauflage hat die Millionengrenze erreicht; Günter Graß feierte in Frankreich Triumphe; Uwe Johnson durfte zehntausend Dollar als Preis des Internationalen Verlegerverbandes in Empfang nehmen; Siegfried Lenz’ „Zeit der Schuldlosen“ geht über die Bühnen von Stockholm bis Tel Aviv.

Der deutsche Nachkriegsfilm findet, von wenigen Ausnahmen abgesehen, unter Ausschluß des Auslandes statt. Beim Film bedeutet das sogar noch mehr, da er – anders als das Buch – ohne den Auslandsmarkt ein permanentes Verlustgeschäft wäre.

Und das ist er denn ja auch – wobei man den unmittelbar Beteiligten solche Verluste beruhigend wenig ansieht.

Also werden die Parlamentarier in Bonn bestürmt: Helft dem deutschen Film, sei es durch direkte Subventionen, sei es durch indirekte (Abschaffung der Vergnügungssteuer). Denn – so lautet dann wohl das Argument – dem deutschen Film fehlt Geld, nichts anderes als Geld.

Dieser These gegenüber sind wir sehr skeptisch. Noch haben wir nichts davon gehört, daß Filmproduzenten Ensemble-Schwierigkeiten haben, weil ihnen die Schauspieler immer gerade dann, wenn sie gebraucht werden, von den Theatern weg-engagiert werden. Noch ist der Fall des armen Drehbuchautors unbekannt geblieben, der sich, um seine Familie zu ernähren, aufs Romanschreiben verlegen mußte. Noch warten wir auf die Neuigkeit, daß gerade in der Filmwirtschaft Erhards Appell zur Mäßigung offene Ohren gefunden hätte.

Manchmal hat man den Eindruck, bei den Produzenten herrsche die Vorstellung: die Verluste des einen Filmes sollte der Bund tragen, die Gewinne des nächsten müßten nutzbringend für den Privatbedarf angelegt werden.

Selbst wenn wir die These „mehr Geld – bessere Filme“ übezeugender fänden, wäre uns wenig wohl bei dem Gedanken an eine Art Wohlfahrtsunterstützung für Filmstars und Produzenten.