Von Willi Bongard

Wie unterscheidet man einen guten Wennbrand von einem weniger guten? Worauf sollte man beim Kauf einer Flasche Weinbrand achten? Nach welchen Gesichtspunkten sollte man seine Wahl treffen?

Verbraucher aller Weinbrände vereinigt euch! Vertraut nicht länger euren Gaumen und Nasen – denn wohin sollte es wohl führen, wollte jeder nach seiner Fasson weinbrand-selig werden? Ein neues Zeitalter der Verbraucher-Aufklärung ist angebrochen. „Die Zeitschrift mit dem Warentest“ ist das Manifest unserer Tage. Die Reaktion wird im Kampfe mit einer Redaktion unterliegen, die es sich in den Kopf gesetzt hat, unsere Trink- und sonstigen Verbrauchsgewohnheiten zu revolutionieren und auf eine völlig neue Vertrauensbasis zu stellen. Chemiker und Laboranten an die (Konsum-)Front! Nicht den Marken gilt unser Vertrauen, sondern der „D-Mark“ und deren Tests. Gekocht muß er werden, der Weinbrand – nicht etwa getrunken, o nein! Micko-Destillation heißt das Verfahren, mit dem man dem Geheimnis eines Weinbrands auf die Spur kommt. Dabei braucht man nicht einmal mehr „Prosit“ zu sagen. Wer wissen will, ob im „Asbach Uralt“ guter Wein verarbeitet worden ist, der gehe hin und verdünne das edle Naß nach dem Rezept der Testologen im Verhältnis 1 : 1000. Sollte das Aroma dann noch spürbar sein (Notabene: Es ist spürbar!) hat man eine Garantie dafür, daß man nicht von allen guten Geistern des Weines verlassen ist. Scherz beiseite!

Nach einer Repräsentativ-Erhebung des Instituts für Werbepsychologie und Markterkundung vom Januar dieses Jahres bekannten nicht weniger als 36 % der Befragten, daß sie beim Kauf eines Weinbrands allen Belehrungen zum Trotz innerster Linie auf die Marke achten. Geschmacksrichtung (29 %), Preis (17%), Alkoholgehalt (6%) und Herkunftsland (5 %) sind demgegenüber von untergeordneter Bedeutung. Die Testomanie und deren Ursache, das Mißtrauen nämlich, scheint in unserem Lande weniger weit verbreitet als die öffentliche Diskussion vermuten lassen könnte, zumindest unter den Freunden geistiger Getränke. Offensichtlich ist das Markenvertrauen auf diesem Feld besonders stark ausgeprägt. Und das dürfte seinen Grund haben.

Wenn die Geschichte des Markenartikels jemals geschrieben werden sollte, so dürfte die Marke „Asbach Uralt“ einen Ehrenplatz einnehmen. Als wir vor kurzem dem Bundeskartellamt in Berlin einen Besuch machten, da ließ sich ein Sprecher dieser gewiß unparteiischen und nicht eben markenartikelfreundlichen Institution zu der Bemerkung hinreißen: „Im Grunde gibt es ja doch nur zwei Markenartikel...“ Der zweite hieß, ohne daß mit der Reihenfolge eine Wertung verbunden schien, „Asbach Uralt“.

Wer das Erfolgsgeheimnis dieser Marke lüften will, der wird nicht umhin können, die Geschichte der Weinbrennerei Asbach & Co. eine Strecke wegs zurückzuverfolgen. Es ist in diesen Wochen genau 70 Jahre her seit der erste Gesellschaftsvertrag geschlossen wurde. Hugo Asbach hatte sich als junger Mann in der Heimat des Cognac, in der Charente umgesehen und den Franzosen ihr Brenngeheimnis abgelauscht. So sehr er auch von deren Brennkünsten angetan war, so wenig konnte ihm daran gelegen sein, in Rüdesheim einen Cognac nach französischer Manier zu brennen. Vielmehr war er von Anfang an darauf aus, sich vom Cognac zu distanzieren und einen eigenständigen, auf den spezifisch deutschen Geschmack abgestimmten, milden Weinbrand herzustellen. Dazu mußte er sich – so merkwürdig das klingen mag – erst einmal wortschöpferisch betätigen.

„Weinbrand“ ist zwar ein Wort, dem der Duden inzwischen seine Weihe gegeben hat. Seine Patenschaft verdankt es indessen Hugo Asbach, der sich schon um die Jahrhundertwende um die Einbürgerung dieser Bezeichnung bemühte. Mit Erfolg. Asbach widerstand der Versuchung, sofern er ihr jemals ausgesetzt war, sein Produkt mit fremden (französischen) Federn zu schmücken. Das sollte sich das erste Mal im Jahre 1919 auszahlen, als durch Artikel 275 des Versailler Friedensvertrages den deutschen Weinbrennereien die Benutzung des Wortes „Cognac‘ für ihre Erzeugnisse unmöglich gemacht wurde. Die französische Cognac-Industrie mag sich der Hoffnung hingegeben haben, daß hierdurch der Wettbewerb der deutschen Weinbrennereien beseitigt würde. In dieser Hoffnung sollte man sich jedoch enttäuscht sehen. Das Haus Asbach konnte sich mit einer Anzeige an die deutschen Verbraucher wenden, in der es u. a. hieß: