Die Schering AG, Berlin, kann der Hauptversammlung aus dem Jahresgewinn von fast 12,8 (im Vorjahr 10,5) Mill. DM wieder 15% Dividende auf das gewinnberechtigte Aktienkapital von 84 (70) Mill. DM vorschlagen. Inzwischen hat die Verwaltung von der genehmigten Kapitalerhöhung (21 Mill. DM) Gebrauch gemacht, so daß 1962 für 105 Mill. DM ein Gewinn erwirtschaftet werden muß. Wie es im Geschäftsbericht heißt, hat die „erfreuliche Aufwärtsentwicklung“ in den ersten vier Monaten angehalten, so daß die Verwaltung dem weiteren Verlauf des Jahres „mit Zuversicht“ entgegensieht.

Gelegentlich wird Schering mit den „drei Großen“ der deutschen Chemie verglichen. So ehrenhaft dieser Vergleich ist, so falsch ist er doch. Dean das Schwergewicht des Geschäfts liegt bei Schering trotz der erweiterten Produktionsskala vor allem seit dem Erwerb und der Umwandlung der früheren chemischen Werke Bergkamen AG nach wie vor bei dem vielfältigen Sortiment von pharmazeutischen Wirkstoffen und Spezialitäten. Sie sind nicht nur nach ihrem Verkaufspreis relativ wenig lukrative Artikel, sondern stehen unter schärfstem in- und ausländischem Wettbewerb. Um damit Schritt zu halten und der Fülle neuer Präparate mindestens Ebenbürtiges zur Seite zu stellen, bedarf es eines Forschungsaufwandes, der noch über dem Durchschnitt der ohnehin. kostspieligen allgemeinen chemischen Forschung liegt und bei Schering im letzten Jahr durch personellen Ausbau und verbesserte Ausstattung der Labors auf 14,2 (11,9) Mill. DM gestiegen ist. Dieser Aufwand war zu finanzieren, sieht man von der Kapitalerhöhung ab, aus dem Weltumsatz des Gesamtunternehmens (einschließlich der hundertprozentigen Tochtergesellschaften, aber ohne die Erträge aus der inzwischen stillgelegten Fischertropsch-Produktion in Bergkamen) von 247,2 (210,8) Mill. DM. Wie sehr Schering in seiner Struktur vom Durchschnitt der chemischen Industrie Deutschlands abweicht, zeigt seine Zuwachsrate von 17 (20) %, während der Mehrumsatz allgemein nur 5% betrug.

Die gleiche Zuwachsrate hatte das pharmazeutische Geschäft, das sich damit gegenüber 1960 etwa 2 % stärker ausgedehnt hat. Unverändert 65 % der Wirkstoffe und Fertigpräparate gingen in das Ausland. Auf den verwandten Fertigungsgebieten Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung lag der Mehrumsatz bei 4 (16) %. Bei Industrie-Chemikalien und Kunststoffen, die im wesentlichen aus der anlaufenden Produktion in Bergkamen stammen, wird das Umsatz-Plus dem

Wert nach mit 50 % angegeben. Auch hier besteht mit rund zwei Fünfteln ein hoher Exportanteil.

Der Ausbau der Fabrikationsanlagen wurde verstärkt. Von den Gesamtinvestitionen von 49,1 (29,7) Mill. DM entfielen auf Berlin 9,8 (10,5) und auf die westdeutschen Werke 39,3 (19,2) Mill. DM, davon allein 35,7 auf Bergkamen. Die Begründung für die letzte Kapitalerhöhung geht aus dem Abschreibungsvolumen von nur 25,7 (16,6) Mill. DM hervor, wobei die hohen Sondersätze für Berlin wieder voll in Anspruch genommen wurden. Einschließlich der 31,4 (33,4) Mill. DM Finanzanlagen stellt sich das Anlagevermögen auf 146,3 (125,1) Mill. DM, das Umlaufsvermögen auf 175,4 (134,7) Mill. DM. G. G.