„Nobi“ (Japan; Verleih: Atlas): Von Angst und Hunger gepeinigt, irrt ein versprengter und verlorener Haufe japanischer Soldaten durch die Wälder der von Amerikanern besetzten Philippinen-Insel Leyte. Dem Wahnsinn nahe, verfallen sie schließlich in Kannibalismus. Kon Ichikawa, bei uns bislang nur durch „Die Harfe von Burma“ bekanntgeworden, formt hier Authentisches zum Gleichnis existentieller Bedrängungen von endspielhaftem Charakter. In epischer Kargheit, die den Film ans Dokumentarische grenzen läßt, und mit einer moralischen Konsequenz, die Tabus nicht achtet, wird hier die Auflösung des Menschen demonstriert. Mit dem Schrei „Ich will sein, wo Menschen sind!“ läuft der letzte Überlebende, der Soldat Tamura, ins Feuer der feindlichen Linie. Der Film stellt das scheinsouveräne Individuum sehr in Frage und rückt so in die Nähe der Werke Becketts und Ionescos, wenngleich Ichikawa Ort und Zeit seines Gleichnisses nennt. Doch läßt auch er offen, ob sein Nachruf dem Menschen schlechthin gilt oder nur jener Spezies, die erst nachdenklich wird, wenn kein Entrinnen mehr möglich ist. rpk