SÜDWESTFUNK

25. Mai, das Hörspiel:

Die Gattung Hörspiel fordert mit ihren besonderen Ausdrucksmöglichkeiten dazu heraus, Allegorien und Symbole zu verwenden. Nur geschieht es leider zu leicht, daß sich das schnell verklingende Wort der Entschlüsselung entzieht. Ein Nachlesen wiederum ist ja leider nicht möglich. Dem Hörer bleibt dann also nur übrig, sich mit der Story verdutzt zufriedenzugeben.

Die Irin Muriel Spark hat sich folgendes ausgedacht: in exklusiver Verschworenheit ziehen sich die Jugendlichen eines dumpfen Talstädtchens regelmäßig in die nächtlichen Berge zurück. Dort verhandeln sie mit dem Boten eines wilden Bergstammes, um die Horde von dem plötzlichen Einfall ins Tal abzuhalten. Im Tal: unbekümmertes und lüsternes Geschwätz der Alten, hervorgerufen durch unaufhaltsames Trinken irgendeines berauschenden Mineralwassers. Auf dem Berg: Jugend in Größe und Idealen wandelnd, der Gefahr trotzend. Die besseren Wilden hinter den Bergkuppen wünschen eine Geisel. Und irgendwie geschieht es, daß dies der Pfarrer des Städtchens wird. Er erzählt ihnen von dem aufputschenden Mineralwasser. Da die Taljugend nichts davon hergibt, um das reine Bergvolk nicht zu vergiften, wird der Pfarrer getötet und sein Blut getrunken. Ja, und dann wird ins Tal eingebrochen, und eine mineralwassergetränkte Verbrüderung findet statt. Alles bleibt beim alten, nur die jungen Leute haben sich endgültig in die Berge zurückgezogen.

Also: wieder einmal die Schablone von der gemeinen und verächtlichen Welt der Erwachsenen. Die lieben Kinder jedoch bemühen sich wie gute Götter – allerdings mit Verachtung angefüllt – ihre indolenten Eltern zu beschützen. H. K.