Im biologischen Institut der Staatsuniversität von Iowa fahren junge Mäuse Karussell. In Käfigen, die an einem zwei Meter langen Drehstab schwenkbar aufgehängt sind, werden sie wochenlang im Kreis herumgewirbelt. Für die Tiere hat sich indessen das Käfigdasein kaum geändert. Sie spüren nicht, daß sie in der Vertikalen leben, nur ist alles ein wenig mühsamer geworden, weil die Fliehkraft, mit der sie an den Boden gedrückt werden, stärker ist, als die Erdanziehung – sie sind gewissermaßen schwerer geworden, besonders diejenigen unter ihnen, deren Käfige am weitesten vom Drehpunkt entfernt sind.

Sinn dieses Experimentes, das Dr. Charles Wunder durchführt, ist es, festzustellen, ob zwischen dem Wachstum und der Schwerkraft eine Beziehung besteht. Von Pflanzen weiß man nämlich, daß sie langsamer gedeihen, wenn sie in einer Zentrifuge einem starken Schwerefeld ausgesetzt werden. Wunder möchte nun feststellen, ob das gleiche auch für Tiere gilt

Die ersten Resultate seines Versuches konnte der Forscher kürzlich bekannt geben: Die Entwicklung der Tiere, besonders ihres Knochenbaus, wird unter dem Einfluß starker. Gravitationskräfte verzögert, und zwar um so mehr, je größer das Schwerefeld ist.

Allerdings stellte der amerikanische Wissenschaftler eine Ausnahme dieser Regel fest. Mäuse eines ganz bestimmten Alters wuchsen nämlich unter der Wirkung einer Schwerkraft, die etwa der doppelten Erdanziehung entsprach, schneller als gewöhnlich. Stärkere Fliehkräfte hingegen verlangsamten auch bei dieser Altersklasse die Entwicklung.

Wunder hat auch junge Schildkröten und Larven der Taufliege in seinem Labor kreisen lassen. Wieder erwies sich die vergrößerte Schwerkraft als wachstumshemmend und ebenfalls stellte sich bei diesen Spezies jene seltsame Irregulariam heraus, die der Biologe schon bei den Mäusen beobachtet hatte und für die er noch keine Erklärung weiß: in einem bestimmten Alter der Lebewesen wirkt die doppelte Erdbeschleunigung ausgesprochen entwicklungsfördernd.

Welchen Einfluß auf das Wachstum mögen nun Gravitationsfelder haben, die schwächer als das der Erde sind? Im Laboratorium läßt sich die Erdanziehung über längere Zeiträume hinweg nicht verringern. Indessen ist das Extrem, die Schwerelosigkeit, in künstlichen Satelliten gegeben.

Hier haben die Russen Experimente an Pflanzen gemacht. In Bohnenkraut und in Weizen- und Maiskeimlingen, die die Sowjets mit Raumfahrzeugen um den Globus kreisen ließen, vollzog sich die Zellteilung wesentlich schneller, als auf der Erde.