In Bochum auf Carpenters Himmelsspur Heinz Kaminski popularisiert die Forschung

Von Thomas v. Randow

Die Weltöffentlichkeit konnte auch die zweite Erdumkreisung eines amerikanischen Astronauten in allen Einzelheiten verfolgen. Scott Carpenters Meldungen aus der Kapsel, die Pannen während seines Fluges und die anfängliche Ungewißheit über das Schicksal des Raumfahrers nach der Landung wurden von den Rundfunkstationen übertragen. Auch in der Sternwarte Bochum saßen am 24. Mai die Techniker an ihren Radiogeräten. Aber sie hörten nicht die Berichte „Shorty“ Powers, des rührigen Public-Relations-Offiziers der Mercury-Station – sie suchten direkten Funkkontakt mit dem Raumschiff. Zwar gelang es ihnen nur gelegentlich, Carpenter zu empfangen, weil seine Flugroute weit unter dem Horizont der Satelliten-Forschungsstation verlief; dennoch kann Heinz Kaminski, der Direktor der Sternwarte, stolz auf die technische Leistung seines Teams sein. Die Bochumer „Weltraum-Schnüffler“ verfolgen Tag und Nacht mit hochempfindlichen Geräten die sendenden Raumkapseln der Amerikaner, Russen und Engländer. Die Genauigkeit der Meßergebnisse und Flugbahnberechnungen haben der einzigen deutschen Satellitenwarte internationale Anerkennung gebracht.

A urora Sieben, wir haben den Kontakt mit Ihnen verloren – falls Sie uns hören, messen Sie Ihren Blutdruck und geben Sie das Ergebnis auf den Bordschreiber!“ Vier-, fünfmal kommt dieser Ruf der Bodenstation am Cape Canaveral aus dem Lautsprecher. Aber von dem Prasseln und Rauschen der atmosphärischen Störungen hebt sich kein Signal von AstronautCarpenter ab. Ein paarmal ist nur das Aufheulen zu hören, mit dem jede Meldung im Funksprechverkehr zwischen der Mercury-Kontrollstation und dem Raumfahrer beginnt – es könnte von Scott Carpenter stammen.

Wie gebannt lauscht das Arbeitsteam des Instituts für Satelliten- und Weltraumforschung in Bochum-Sundern, der einzigen Station in der Bundesrepublik, die den Raumflug verfolgt. Bei Carpenters erster Umkreisung waren die Empfangsbedingungen denkbar schlecht, ein Gewitter zog über das Ruhrgebiet just zu der Zeit, als die Mercury-Kapsel, zwar noch weit unterhalb des Horizonts, das Bahnstück durchflog, das Bochum am nächsten lag. Dennoch fingen die leistungsstarken Anlagen des Instituts einige Sätze auf, die der Astronaut an die Bodenstation richtete, Zahlen, und dazwischen: „I am allright.“ Als der Sprechfunk beim zweiten Umlauf wieder hörbar wurde, ging es um den plötzlichen Temperaturanstieg in der Raumkapsel und um den Brennstoffverbrauch.

Erregend wird es noch einmal kurz nach Carpenters Landung. Die Mercury-Stationen suchen noch vergeblich nach einem Lebenszeichen von Scott Carpenter, doch in Bochum hören wir ganz deutlich ein Peilzeichen auf der Frequenz des Raumschiffs – zwei Minuten lang, dann verstummt es.

Parasiten der Astronautik