Die Politik der deutschen Bundesregierung ist darauf gerichtet, mittelständischen Verkehrsunternehmen Existenzmöglichkeiten zu sichern. Dazu ist die Bundesregierung durch die einschlägigen Gesetze verpflichtet. Dies gilt nicht zuletzt von den Partikulierern, die auch heute noch 40 % des Frachtraums der Binnenschiffahrt in den Händen haben. Von den 3612 Schiffahrtsbetrieben des Bundesgebiets besitzen rund 80 % nur ein Schiff und weitere gut 10 % zwei bis drei Schiffe. Diese beiden Gruppen, die vom Gesetzgeber von den Reedereien unterschieden werden, genießen Schutz vor allem durch den § 4 des Gesetzes über den gewerblichen Binnenschiffsverkehr.

Nur undeutlich zeichnen sich heute Konturen der künftigen europäischen Verkehrspolitik ab. Sie lassen aber doch erkennen, daß dem Wettbewerb zwischen den Verkehrsunternehmen weit größere Bedeutung beigemessen werden wird, als in den Zeiten, in denen sich der Verkehr in einem weitgehend national abgeschirmten Raum entwickeln konnte. Der zu erwartende Konkurrenzkampf zwingt zur Rationalisierung, nicht nur bei der Eisenbahn, sondern auch bei der Binnenschifffahrt. Alle Rationalisierungsmaßnahmen führen aber auch zur Konzentration.

Der Präsident des Zentralvereins der deutschen Binnenschiffahrt, Dr. Beyer, meinte zwar vor kurzem, eine Wirtschaftlichkeit für den Privatschiffer bestände insbesondere dann, wenn der Betrieb als Familienunternehmen geführt werde. Es ergäben sich hier Parallelen zur bäuerlichen Familienwirtschaft. Werde den Partikulierern entsprechend geholfen, dann wären aller Voraussicht nach auch die Söhne zur Fortsetzung des väterlichen Berufs bereit. Unbedingt sicher erscheint dies nicht. Berufe, die sich nur dadurch halten können, daß sie vom Staat geschützt werden, daß an Arbeitszeit und Entbehrungen von ihnen mehr verlangt wird als sonst in der Wirtschaft, haben keine große Anziehungskraft auf junge Menschen. Sie sterben daher auf natürliche Weise aus.

Konzentrationstendenzen, die sich aus der modernen wirtschaftlichen Entwicklung ergeben, lassen sich nur schwer verhindern. Es ist wirtschaftspolitisch auch unklug, durch administrative Maßnahmen einen nicht mehr in die Zeit passenden Berufsstand konservieren zu wollen. Der Wettbewerbsgedanke läßt das nicht zu. AR