Ein herrlicher Flug in 12 000 Meter Höhe lag hinter uns, als wir nach knapp 22 Stunden Zeit in Santiago de Chile landeten. Die Strecke führte über Zürich–Dakar–Rio–Sao Paolo und Buenos Aires. Die deutsche Mannschaft mit den offiziellen Begleitern hatte die Luxusklasse für sich und wurde von der Besatzung mit rührender Sorgfalt umhegt, wobei der Komfort, den ein solcher Flug bietet, eigentlich schon Garantie genug war für einen erstklassigen Service. In ihren schmucken, hellblauen Trainingsanzügen sahen die Spieler beinahe wie Stewards der Lufthansa aus.

Bei unseren Zwischenlandungen in Südamerika erschien jedesmal ein Riesenaufgebot an Journalisten sowie Rundfunk- und Filmreporter. In Rio erfuhren wir, daß die brasilianische Mannschaft eine Stunde später flöge. Die deutsche Mannschaft vor der brasilianischen – ein Omen? Gott sei Dank dauerten die Zwischenlandungen nur eine halbe Stunde, so daß der Wirbel schnell vorüberging.

In Sao Paolo erzählten uns Deutsche, daß heute schon die Rückkehr Peles als Weltmeister vorbereitet würde. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben, in der Tendenz zeigt sie jedoch: Ganz Südamerika schwört auf Brasilien als alten und neuen Weltmeister. Der goldene Pokal bleibt im Lande!

Der Empfang, der uns in Santiago zuteil wurde, war bereits „weltmeisterschaftsreif“: Auf unserer Fahrt vom Flughafen, wo schon Hunderte auf uns gewartet hatten, bis zur Militärkaserne, etwa sechs Kilometer, standen dicht an dicht winkende und jubelnde Menschen. Die Sympathiekundgebungen reichten bis zum „Hitlergruß“. Die Zuneigung für alles Deutsche wurde spontan auf die deutsche Fußballmannschaft übertragen.

Die Begrüßung in der „Escuela Militär O’Higgings“ – wie die Militärakademie offiziell heißt, ging weit über das von der Höflichkeit gebotene Maß hinaus und war ausgesprochen herzlich. Abends, bei der offiziellen Begrüßung durch den Leiter der Akademie, Major König, wies dieser in Anwesenheit des deutschen Botschafters auf die traditionelle Freundschaft zwischen Deutschen und Chilenen hin, besonders aber auf die zwischen Deutschen und dem chilenischen Militär, das seinen heutigen vorzüglichen Stand nur deutschen Ausbildern zu verdanken habe.

Diese traditionell begründete Freundschaft dokumentierte sich dann in allem, was für uns getan wurde. Der gesamte Offiziersflügel der Akademie war uns zur Verfügung gestellt worden. Die Zimmer waren vorher renoviert worden, ebenso alle sanitären Einrichtungen. Je zwei Mann liegen in den gemütlichen Zimmern, die zusätzlich einen Petroleumofen installiert bekamen, da es nachts und morgens doch empfindlich kalt ist, bis nahe null Grad. Und gerade Hochleistungssportler sind für Temperaturschwankungen recht anfällig, denn tagsüber beträgt sie bis zu 26 Grad. Alles wartet auf den Regen. Seit einem Dreivierteljahr ist kein Tropfen gefallen. Uns kommt dieser chilenische Herbst wie europäischer Hochsommer vor. Daher müssen wir immer lächeln, wenn der „Chef“ abends das Tragen von langen Unterhosen vorschreibt: Die „Athleten“ in langen Unterhosen, kein Paradoxon!

Die Zimmer sind miteinander verbunden durch einen herrlichen breiten Balkon mit Blick auf die Cordilleren. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang mit postkartenreifem Gipfelglühen bieten wunderbare Motive für die Photoamateure unter uns – und das sind fast alle. –