DIE ZEIT

Das trotzige Tribunal

Als die Generäle Challe und Zeller vor dem Hohen Militärgericht im Pariser Justizpalast standen, hat es sich um den Prozeß der Armee gehandelt, deren kleinerer Teil aufständisch geworden war.

Milliarden an Ulbricht?

Ulbricht hat westdeutsche Kredite für seinen "Staat" verlangt: drei Milliarden Mark. Dieser Wunsch stellt uns vor eine heikle Frage.

wer...was....wo....warum...

Wieder geht es um die Hallstein-Doktrin: Wer Pankow anerkennt, verliert automatisch die Bonner Freundschaft. Vermutlich wird aber Bagdad Damaskus und Kairo folgen und sich auf die Errichtung eines Zonenkonsulats beschränken, ohne dessen Leiter das diplomatische Exequatur zu erteilen.

Irrungen?

Technische Schnitzer, auch stilistische Geschmacklosigkeiten leisten sich die Männer unseres Fernsehens häufig genug. Das sind – in der Regel – Pannen, über die man sich zwar zu entrüsten, dann aber auch hinwegzusetzen vermag.

Der Klerus gegen den Caudillo

Erst waren es der Prager Sender „Freies Spanien“ und die Kommunisten, denen Staatschef Franco die Alleinschuld an dem nun schon sieben Wochen andauernden Massenstreik der spanischen Arbeiter in die Schuhe schieben wollte.

Zeitspiegel

Ein größerer Teil der unterirdischen Raketenbasen in den Vereinigten Staaten muß wahrscheinlich verlegt werden. Nachdem in der vergangenen Woche eine interkontinentale „Titan“-Rakete auf ihrem Stand in Chico (Kalifornien) explodierte, wobei der Treibstoff eine gewaltige Sprengkraft entwickelte, hat das Pentagon die Sicherheitsvorschriften verschärft: in Zukunft muß um die Stützpunkte ein Sicherheitsgürtel von mindestens 400 Metern gelegt werden.

Kampfansage an den Kongo-Premier

Eine neue Unheilwolke zieht sich über dem Kongo zusammen und droht sich zu entladen, falls Premierminister Adoula und der Herrscher von Katanga, Aloise Tschombe, nicht bald eine Einigung erzielen.

Katzenjammer

Nikita Chruschtschows neutrale Blütenträume sind nicht gereift; seine Begeisterung für die dritte Welt der jungen Staaten ist der Ernüchterung gewichen.

Rolf Zundel berichtet aus Düsseldorf und Köln:: Parteitage ohne Pfeffer

Waren die alten Recken, von denen die Heldensagen der Liberalen noch erzählen, wieder zurückgekehrt, um Erich Mende das Fürchten zu lehren? „Eine Partei, die den Rechtsstaat auf ihre Fahnen geschrieben hat, darf so etwas nicht tun“, rief Bernhard Leverenz, Justizminister aus Schleswig-Holstein, und stach mit spitzem Zeigefinger anklagend in den Tabakdunst.

FDP ohne Flügelkämpfe

Weder von Elan beflügelt noch durch Flügelkämpfe geschwächt, so hat sich die FDP auf ihrem Düsseldorfer Parteitag präsentiert.

Bonns getreue Opposition

Auch die SPD hat die internen Auseinandersetzungen überwunden, die auf ihren früheren Parteitagen Spannungen erzeugten. Das Godesberger Programm, dessen scharfen Kurswechsel so manche Kritiker für ein reines Täuschungsmanöver hielten, hat sich durchgesetzt.

Auch sie: Zum Regieren allzeit bereit

Der erste Programmpunkt auf dem Parteitag der Sozialdemokraten war Wolfgang Amadeus Mozart. In der Kölner Messehalle, die in freundlichen Pastellfarben drapiert war – zartgrau die Wand hinter der Vorstandstribüne, zartrosa die Phloxblüten davor – musizierte das Kölner Kammerorchester.

Flucht nach Frankreich

Für die schlafwandelnden Franzosen kündigt sich ein unsanftes Erwachen an: Der Strom der algerischen Flüchtlinge nimmt überhand.

Malaise von Mainz

Warum die Länderanstalt „Zweites Deutsches Fernsehen” nicht Wort halten konnte

Hessen: Ein Notausgang für Hitlers Richter

Derbaden-württembergische Justizminister Haußmann hat die Mauer des Schweigens durchbrochen: Er gab Auskunft darüber, wie es um die Ausführung des Paragraphen 116 des neuen Richtergesetzes vom Juni 1961 steht.

Wie du mir, so ich dir!

Oberpostdirektor Dr. Hans Murken, Personalreferent bei der Oberpostdirektion Bremen, ist im allgemeinen das, was man einen verträglichen Menschen zu nennen pflegt.

Zum Memorandum der Acht:: Politik und Wissenschaft

Nach 1945 mußte der Hunger überwunden und das Zerstörte wiederaufgebaut werden. Es ist üblich geworden, sich der ersten Nachkriegsjahre als einer Zeit besonderer geistiger Produktivität und menschlicher Erfülltheit zu erinnern.

Zum Lachen oder Weinen?

wenn Nationalismus zu rasch Erfolg hat, so besteht eine gewisse Gefahr, daß neue Regierungen ausgebeutet werden von Afrikanern, die Scharlatane sind, unausgereifte Intellektuelle und Analphabeten mit politischen Ambitionen.

Die Neinsager bejahen uns

Auch für die deutsche Kultur sind ehrenwerte Männer nicht immer die besten Botschafter

Mein Bild

Kein auf sich allein gestelltes Gemälde, sondem eine von 67 Graphiken, in denen der junge Maler und Dichter Christoph Meckel die Geschichte von Moel und seinem Fisch „in der Bildersprache geschrieben“ hat.

Kleiner Kunstkalender

Berlin hat zum erstenmal seit zehn Jahren wieder eine „Juryfreie“. Jeder Berliner Künstler konnte eine Arbeit einreichen, und diese Arbeit mußte unbesehen angenommen werden.

Heißen Sie gern Adolf?

Wenn ich nochmals auf die Welt komme, möchte ich als Rennpferd geboren werden. Es ist nicht so sehr der Ruhm und der Glanz, die so ein Rennpferd umwittern, auch nicht der elegante Stall – obwohl dies in einer Zeit der Wohnungsnot schon eine Rolle spielt –, es sind die Namen, die es mir angetan haben.

Wolfgang Ebert:: Münchner Mörderspiel

Wenn meine Versuche, das Niveau eines Abends unter Freunden und Bekannten zu heben (den Ausdruck Party vermeide ich bewußt, weil man sonst allmählich annehmen muß, mein ganzes Leben sei eine solche), indem ich immer wieder das Gespräch in geistige Bahnen lenke, bisher daran gescheitert sind, daß sich die anwesenden Damen lieber über die Frage: was tut man, wenn er nachts schreit (der zweijährige Sohn, nicht der Ehemann), und die Herren sich lieber über abwesende Damen unterhalten – so scheitern solche Bemühungen neuerdings daran, daß man bei uns in München anscheinend von nichts anderem reden und hören will als vom PROZESS.

Ein letzter Ausweg

„Doch“, wandte ich ein, nervös den echt chinesischen Zuckertopf (made in Germany) zwischen den Fingern drehend, da ich den Zusammenhang nicht recht verstand.

Zeitmosaik

Schon wer meinen Platz zu behaupten sucht und sich der allgemeinen Regression nicht anschließen möchte, scheint in einer fliehenden Menge vorzudringen: er wirkt als Störenfried.

Unser Seller-Teller

Die Belletristik, vor wenigen Wochen noch gänzlich aus dem Seller-Teller verdrängt, ist. wieder zu ihrem Recht gekommen, auf der ganzen Linie und in allen ihren Gattungen: dem Roman, dem Drama, der Erzählung und sogar der Lyrik.

Zu empfehlen

ES BESCHREIBT insbesondere den serienmäßig (und gewöhnlich Pseudonym) eigens für private Leihbüchereien fabrizierten Roman (also nicht das Groschenheft und auch nicht den Trivialroman, der über den Buchhandel verkauft wird), seine etablierten Gattungen (Frauen-, Heimat-, Berg-, Arzt-, Sitten-, Wildwest-, Kriminal- und Abenteuerroman), seine Verleger, seinen Vertrieb und seine Autoren, und das in allen Einzelheiten, mit Textproben und -analysen, Statistiken, Musterverträgen aus dieser Geschäftsbranche und Verfasserinterviews.

Hüben und drüben: Heinrich Böll

In der gegenwärtigen Kampagne der SED-Propaganda gegen westdeutsche Schriftsteller, die zwar als oppositionell gelten, jedoch der DDR nicht eben kritiklos gegenüberstehen, wurde neuerdings – wie an dieser Stelle bereits vor einer Woche vermerkt – auch Heinrich Böll angegriffen.

Funk

Die Gattung Hörspiel fordert mit ihren besonderen Ausdrucksmöglichkeiten dazu heraus, Allegorien und Symbole zu verwenden. Nur geschieht es leider zu leicht, daß sich das schnell verklingende Wort der Entschlüsselung entzieht.

Theater

Eine Neuinszenierung des Nibelungenrings durch Wieland Wagner in Köln begann mit einer „Rheingold“-Aufführung, die von den Düsseldorfer Nachrichten als „ein Fazit aus Wieland Wagners zehnjährigem Ringen mit der Nibelungentragödie“ gewürdigt wird: „Gegenüber der ersten Bayreuther Version ist manche extravagante Eigenmächtigkeit aufgehoben, ist die mimische und gestische Loslösung von der ursprünglichen Starre erfolgt.

Film

„Nobi“ (Japan; Verleih: Atlas): Von Angst und Hunger gepeinigt, irrt ein versprengter und verlorener Haufe japanischer Soldaten durch die Wälder der von Amerikanern besetzten Philippinen-Insel Leyte.

Strapazierte Staatsautorität

Die Staatsautorität, personifiziert durch Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard, hat ein zweites Mal einen zweifelhaften Sieg davongetra-Diesmal im Bundesrat, der drauf und dran war, Staatsbürger–wolle Taten und keine Vermittlungsgespräche sehen.

Haben Sie Angst?

Offen gestanden, ja. Ich habe Angst. Nicht immer, aber manchmal schon. Wenn ich beispielsweise nachts in den Keller gehe, um abzuheizen.

Stiefkind Atom

Dem Atomstrom als potentiellem Energieträger der Zukunft ist in der Bundesrepublik noch nicht einmal die Rolle einer Randfigur in der Energiediskussion zugefallen.

Parität einer Marke: Asbach Uralt: Der gute Geist des Weines

Verbraucher aller Weinbrände vereinigt euch! Vertraut nicht länger euren Gaumen und Nasen – denn wohin sollte es wohl führen, wollte jeder nach seiner Fasson weinbrand-selig werden? Ein neues Zeitalter der Verbraucher-Aufklärung ist angebrochen.

Recht und Wirtschaft: Samstag – kein Alibi

Freilich sind an Sonnabenden fast alle Behörden geschlossen, wie auch viele Betriebe am letzten Wochentag nicht arbeiten. Praktisch ist daher der Sonnabend zu einer Art Feiertag geworden.

Unruhe in Paris

Der Rückgang der Kurse an der Pariser Börse in den ersten Maiwochen hat – neben ausländischen Einflüssen – vor allem innenpolitische Gründe.

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