Technische Schnitzer, auch stilistische Geschmacklosigkeiten leisten sich die Männer unseres Fernsehens häufig genug. Das sind – in der Regel – Pannen, über die man sich zwar zu entrüsten, dann aber auch hinwegzusetzen vermag. Anders ist es schon, wenn die Fernsehleute aus dem politischen Takt geraten – so wie kürzlich nach der Baden-Badener Sendung „Sorgenkind Schulbuch“.

Die Autoren Alois Rummel und Karlheinz Rudolph versuchten nachzuweisen, wie schwer es doch die Lehrbuchverfasser hätten, die sich immer wieder „umstellen“ müßten – erst der Kaiser, dann Weimar, darauf Hitler, schließlich Bonn. Dabei kam ihnen, in der Erinnerung an einen Romantitel Fontanes zur Kennzeichnung des Dritten Reiches tatsächlich keine andere Vokabel in den Sinn als:

„... eine Zeit der Irrungen und Wirrungen“. Sonst nichts!

Eine Unbedachtsamkeit, eine harmlose Entgleisung, ein verzeihliches Versprechen? Wie konnte das Fernsehen über eine so fatale, weil verharmlosende Bemerkung hinwegsehen? Darüber, daß hier Hitler leichthin ein „Irrtum“ bescheinigt, Himmler „Verwirrung“ zu gute gehalten wurde. Sie „irrten“ sich wohl, als sie die Konzentrationslager aufbauen ließen, sie waren wohl nur „verwirrt“, als sie den Plan zur „Endlösung“ faßten?

Freilich, als die beiden Autoren daran gingen, einige abschreckende Passagen aus neuen Geschichtsbüchern zu zitieren, da plötzlich sträubten sich ihnen die Haare. Bei den anderen also fanden sie – zu Recht – bedenklich, was sie selbst versäumt hatten: die Dinge beim rechten Namen zu nennen.

D. St.