Christoph Meckel (geb. 1935):

„Moël hält seinem Fisch die Augen zu“

Kein auf sich allein gestelltes Gemälde, sondem eine von 67 Graphiken, in denen der junge Maler und Dichter Christoph Meckel die Geschichte von Moel und seinem Fisch „in der Bildersprache geschrieben“ hat. Allerdings, auch in diesem Graphik-Band „Moel“ (Verlag Heinrich Ellermann, 1959), den ich vielleicht für die stärkste deutsche graphische Leistung des Nachkriegs halte, ist für mich gerade dieses Blatt besonders einprägsam und merkwürdig im eigentlichen Sinn des Wortes.

In der Mitte liegt das Beil. Sein Kopf und Stiel sind Schnitt der Diagonalen und zeigen in die vier Ecken des Bildes. Rechts unten der Leichenhaufen in allen Stadien des Zerfalls, in der Ecke gegenüber Moel, der Mann ohne Gesicht, der mit seinem Fisch die Welt erleidet und ihm die Augen zuhält, damit er nicht sieht, was Menschen einander tun. In den beiden anderen Bildecken ein dunkler Galgen, an dem ein heller Baum gehenkt ist, und ein heller Galgen, an dem eine zerbrochene Säule hängt. Die Schneckenwindungen ihres Kapitells wirken wie verdrehte Augen, die Wurzeln des ausgerissenen Baumes wie eine verkrampfte Hand. Der Galgen mit dem Baum wächst aus dem Leichenhaufen, der vom einen Bildeck abgeschnitten wird. In den drei freien Bildecken hockt das Dunkel. Die Komposition ist also von fast brutaler Einfachheit.

Bleibt die Frage, ob die Galgen mit Baum und Säule überzeugen oder ob sie als gewollte Symbole verstimmen. Dazu habe ich etwas zu sagen, nämlich, warum sie für mich eine völlig überraschende, ganz und gar überzeugende Bestätigung waren. Etwa um die Zeit, als diese Graphiken entstanden, hatte ich ein Gedicht „Die Hinrichtung“ geschrieben und es einen Monat, bevor ich Meckel traf und sein Werk kennenlernte, im „Merkur“ in München veröffentlicht. Es beginnt:

Drei Bäume wurden

rechtskräftig schuldig befunden